Zwischen Metal und Theater Und grün hinter den Ohren

Der Schauspieler, der unter seinem Vater Michael Schottenberg in „Woyzeck“ debütiert hat, will auch mit seiner Metalband L.E.A.F. bekannt werden.

Tany Gabriel
Tany Gabriel
(c) Clemens Fabry

Es sind zwei sehr unterschiedliche Welten, in denen sich Tany Gabriel bewegt: Gestern, Freitag, hat er mit seiner Metalband L.E.A.F. den (zum Volkstheater gehörenden) Hundsturm bespielt, heute Abend steht er auf der Bühne des Volkstheaters. Gabriel gibt in der (viel gelobten) „Woyzeck“-Inszenierung in der Fassung von Robert Wilson und Tom Waits den Andres, seine erste große Rolle nach dem Schauspielstudium. Er sieht diesen Andres „wie einen Kumpel. Ich bin stolz auf ihn und finde, er macht das gut. Ich sehe das so: Er sitzt für ein paar Stunden am Steuer meines Autos, und ich lasse ihn losfahren. Und der Andres fährt ziemlich gut. Meinen nächsten Rollen muss ich das erst beibringen.“

Und ebendiese stehen quasi schon an: Denn neben „Woyzeck“ wird Gabriel in zumindest einer weiteren Volkstheater-Produktion zu sehen sein. Welches Stück, welche Rolle? Das möchte der 25-Jährige nicht verraten. „Es soll ein bisschen spannend bleiben.“

Dabei war für ihn lange nicht klar, dass er Schauspieler werden würde. Und das obwohl (oder gerade weil?) er gleich doppelt vorbelastet ist. Seine Eltern sind in der Wiener Theaterszene beide alles andere als unbekannt: Seine Mutter ist Schauspielerin Maria Bill, sein Vater Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg. Als Gabriel aufwuchs, waren beide schon bekannte Schauspieler. „Ich habe das damals nicht gleich so erlebt“, sagt Gabriel. „Das kam erst mit der Zeit.“

Sein Vater holte ihn nicht nur als Gast ans Volkstheater, Schottenberg führt auch in „Woyzeck“ Regie. Eine Entscheidung, das war beiden klar, die für schlechte Nachrede sorgen könnte. „Für mich“, sagt Gabriel, „hat es sich nicht nach Protektion angefühlt. Ich weiß, wie mein Vater arbeitet und wenn er sich unsicher gewesen wäre, ob ich das hinbekomme, hätte er mich nicht genommen. Da spielt er nicht Poker.“

Trotzdem war Gabriel froh, dass vor der Premiere fast niemand außerhalb des Theaters wusste, dass Schottenberg sein Vater ist. Er verzichtet auch bewusst auf den Nachnamen Schottenberg und führt seinen zweiten Vornamen „Gabriel“ als Künstlernamen. Das sei „der Versuch eines Kompromisses mit dem Publikum“, sagt er. „Yes, ich mache auch Theater und Musik, aber dafür heiße ich nicht so.“ Dass die Vater-Sohn-Connection jetzt im Nachhinein ans Licht kommt, sei ihm durchaus recht. „Wir wollten das nicht geheim halten.“ Jetzt hätten ihn schon viele Leute auf der Bühne gesehen und erführen nun, dass er eben „der Sohn vom Schottenberg ist“.

Aber eigentlich möchte Gabriel, schweizerisch-österreichischer Doppelstaatsbürger, nicht nur über seine prominenten Eltern reden. Und auch nicht nur über das Schauspielen. „Ich war mir gar nicht sicher, ob es funktionieren kann, weil mich noch ganz viele andere Sachen interessieren und ich mich so in gewisser Weise einschränke.“

 

Gabriel zieht es weg aus Wien

Das Risiko scheint sich derzeit aber in Grenzen zu halten: Gabriel schreibt nebenher (und liest daraus vielleicht demnächst), und auch musikalisch möchte er heuer auf sich aufmerksam machen. Mit der Band L.E.A.F sind in diesem Jahr mehrere Auftritte geplant. Die Formation gibt es seit 2011, bisher aber haben Gabriel und seine Bandkollegen bewusst noch keine Songs im Internet lanciert, man habe sich auf das Proben konzentriert.

Kein Zweifel: Tany Gabriel hat viel vor. TV und Kino würden ihn ebenfalls reizen, und weg aus Wien zieht es ihn „definitiv“. Wohin? „Wenn ich das wüsste, würde es mich nicht mehr interessieren.“ Frankreich hat er im Hinterkopf, oder auch Hamburg. Die Stadt kennt er aus seiner Kindheit, als seine Mutter dort in der „Dreigroschenoper“ engagiert war. „Ich würde heute noch vom Hafen zu unserer kleinen Wohnung finden, das könnte ich nicht in vielen Städten. Hamburg macht es mir leicht, die Stadt kommt mir nett.“

Vorläufig lebt er aber gern mit den vielen großen Fragezeichen darüber, was die Zukunft bringen wird. „Ich gebe gern zu, noch etwas grün hinter den Ohren zu sein, und ich versuche mir dieses Grün auch zu lassen. Dadurch kann man sich ausprobieren.“

Ein fixes Engagement an einer Bühne ist daher, anders als bei vielen Jungschaupielerkollegen, vorläufig kein Ziel. Zwar wäre er dann finanziell abgesichert. „Aber wenn es mir ums Geld ginge, wäre ich nicht Schauspieler und Musiker geworden. Wie heißt es doch? Money can't buy me happiness.“

ZUR PERSON

Tany Gabriel, Jahrgang 1988, ist derzeit am Volkstheater in der Rolle des Andres in „Woyzeck“ zu sehen. Gabriel hat im Vorjahr sein Studium an der Schauspielschule 1st filmacademy in Wien abgeschlossen. Nebenher spielt (Bass) und singt er in mehreren (Metal-)Bands, darunter L.E.A.F.

Gabriel ist der Sohn von Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg und

Schauspielerin Maria Bill.

„Woyzeck“ wird heute, Samstag (20 Uhr), und morgen, Sonntag (15 Uhr), gespielt.
Weitere Termine: www.volkstheater.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2014)

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