Theater: „Man kann ja auch ,Haufi‘ sagen“

„Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab in St. Pölten: Ein Fäkalien-Drama mit Niveau.

Sie haben sich köstlich amüsiert über die Ferkeleien des 1994 verstorbenen Grazer Brachialdichters Werner Schwab. Brigitte Neumeister (als Mindestrentnerin Erna), Dolores Schmidinger (als aufgedonnerte Grete) und Cornelia Köndgen (als minderbemittelte Mariedl) nahmen es leicht – deshalb ist die Premiere von „Die Präsidentinnen“ (Regie: Dora Schneider) am Donnerstag im Landestheater Niederösterreich auch so gut gelungen.

Das ist nicht selbstverständlich, denn Schwabs kunstvoll aufgebauter Text ist heikel: Das Vulgärste ist eingebettet in eine Mischung aus hoher Kunstsprache und belanglosem Geplapper, da muss jeder Übergang sitzen. Die drei Damen feiern in Ernas schäbiger Wohnküche (Bühne: Christian Weißenberger) den Fund einer abenteuerlich hässlichen Pelzkappe und den Erwerb eines gebrauchten Farbfernsehers. Sie lauschen Papst Johannes Paul II. in der Karwoche. Grete: „Warum solln nicht auch ein paar alte Blunzn, wie wir welche sind, eine Hetz haben.“ Dazu gehört auch das Obszöne. Nur Erna alteriert sich: „Man kann ja auch Haufi sagen oder Stuhl...“

Kreatürliche Vorgänge dominieren das zweistündige Spiel, das sich grotesk zu einem Gewaltakt steigert. Die drei Darstellerinnen können mühelos zulegen, vor allem Köndgen spielt zuletzt äußerst stark, Schmidinger pflegt gekonnt das Bizarre, bloß Neumeister kämpft noch ein wenig mit dem nur an der Oberfläche trivialen Text. Aber auch ihr gelingt es, einen originellen Charakter zu schaffen. Alle drei spielen auf hohem Niveau. Werner Schwab lebt in dieser Inszenierung, dieser rabiate Lackel mit der verwundbaren Seele hat noch Kraft. norb

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2007)

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