Galerie Suppan: Österreichischer Exilkünstler wieder entdeckt

Erinnerung an Hugo Puck Dachinger (1908–1995), einen unglaublich vielfältigen Künstler.

Eine vollbusige, nackte Frau mit ihrem Kind: Herzt sie es? Oder stimmt sie der (unerwünschte?) Nachwuchs melancholisch? Verständlich wäre Letzteres. Das Bild stammt von 1944. Manche Gemälde von Hugo Puck Dachinger erinnern an die bösen Karikaturen von George Grosz, andere wirken ruhig-repräsentativ wie offizielle Kokoschka-Porträts.

Dachinger malte düstere Landschaften („Dead End“), Flüchtlinge, Tänzer. Während es heute oft üblich ist, einen Stil zu entwickeln und bei diesem zu bleiben, ist bei ihm jedes Werk völlig anders. Die Bandbreite reicht bis zu Picasso und sogar Pop Art. Er lebte auch fast ein Jahrhundert.


Finissage heute ab 16h

Geboren wurde Dachinger in Gmunden. Er studierte an der Kunstgewerbeschule in Leipzig und etablierte sich in Wien als international erfolgreicher Werbedesigner. 1938 musste er vor den Nationalsozialisten fliehen. Viele malerische Werke gelten seither als verschollen. Dachinger ließ sich in London nieder. 1940 wurde er als „enemy alien“ interniert.

In Lagern in Liverpool oder auf der Isle of Man fertigte er sich Pinsel aus Menschenhaar, malte auf Zeitungspapier und verwendete Zahnpasta als Deckfarbe. Eine Ausstellung im Internierungslager führte zu seiner Freilassung und Anerkennung als Künstler. Die erste umfassende Retrospektive über Dachinger in der Wiener Galerie Suppan (Palais Coburg) läuft noch bis morgen, Donnerstag (Finissage ab 16h). Der Katalog kostet 50€. bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2007)

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