Jubiläum: Schönberg, zum Angreifen nah

Zur Zehn-Jahres-Feier des Arnold-Schönberg-Centers gestaltete Nuria Nono-Schönberg eine große Ausstellung über ihren Vater, die am Montag beginnt.

(c) AP (Hermann J. Knippertz)

„Als ich diesen Raum betrat, sind mir die Tränen gekommen“, Nuria Nono-Schönberg will ihre Emotionen beim Arrangieren der Ausstellung „Arnold Schönberg. Wer ich bin“ gar nicht verbergen. Das Arbeitszimmer des großen Komponisten, das in der Schau im Wiener Arnold Schönberg Center getreulich nachgebildet wurde, erinnert die Tochter an Jugendjahre in Los Angeles, wohin die Familie Mitte der Dreißigerjahre emigriert war. Als Tochter des „Vaters der Moderne“ und Ehefrau eines der führenden Meister der Avantgarde nach 1945, Luigi Nono, war Nuria mit zwei Generationen der prägenden Köpfe der Neuen Musik familiär verbunden.


Schöpferisch ist auch ihr Umgang mit der Erinnerung. Sie will keinesfalls Kuratorin einer gewöhnlichen Ausstellung sein. Wie Nono und Schönberg jeweils das Neue suchten, soll auch die Ausstellung mit originellen Mitteln Augen und Ohren öffnen. „Wir machen es“, erläutert Nuria, „vor allem für Menschen, die zwar wissen, wer Schönberg war, aber sich noch kein genaues Bild von ihm und seinem Schaffen gemacht haben.“


Deshalb zeige man auch nicht, wie sonst üblich, eine große Menge von Manuskripten: „Die“, sagt sie, „können Interessenten hier im Arnold Schönberg Center sowieso immer einsehen, denn dank der großzügigen Unterstützung durch die Stadt Wien konnten wir hier mit dem Nachlass meines Vaters ein einzigartiges Dokumentationszentrum einrichten.“


Ein Zentrum, dessen moderne Archiv-Einrichtungen auch viele nützen. Zum Zehn-Jahres-Jubiläum können der Leiter des Centers, Christian Meyer, und seine engagierten Mitarbeiter stolz Bilanz ziehen: 120.000 Besucher kamen seit der Eröffnung in die Zentrale am Schwarzenbergplatz 6 und ins ehemalige Schönberg-Wohnhaus in der Mödlinger Bernhardgasse. 14 Ausstellungen – auch mit den Gemälden des Multi-Genies – hat es gegeben, 13 Symposien und über 500 Konzerte, Workshops, Meisterklassen und Vorträge im eigenen Veranstaltungssaal.


Neueste Technik für „Moses and Aron“


Die neueste Technik wird zur Archivierung, aber auch zur Präsentation genutzt. „Schon zur Jubiläumsschau“, sagt Nuria Nono-Schönberg, „wird Anthony G. Morris ein Projekt vorstellen, das mit aktuellster Video- und Klangtechnologie Einblick in Schönbergs Schaffen bieten wird.“ Morris demonstriert am Computer gleich ein Beispiel: Die Aufnahme von „Moses und Aron“ mit Thomas Moser und Franz Grundheber aus der Staatsoper läuft über einen Bildschirm, über einen zweiten kann man die Partitur mitlesen – „und der Klang kommt im 14.2/16-Kanal-System über die Surround-Anlage.“ „Apropos Moses und Aron“, ergänzt die Kuratorin: „Wir zeigen zwar nicht viele Manuskripte, aber haben eine Vitrine, wo wir anhand dieser Oper den ganzen Schaffensprozess nachvollziehen. Darauf bin ich besonders stolz.“


Die Vielseitigkeit Schönbergs kann der Besucher auch anhand von Objekten erfahren, die der Künstler erfunden hat, vom „Koalitionsschachspiel“ für vier Spieler über selbst gebundene Skizzenbücher bis zu diversen Gegenständen für den praktischen Gebrauch. Sie alle wurden nachgebaut und liegen zum Angreifen auf Tischen.


Dazu Filme, die Schönberg beim Tennisspiel zeigen, die Stimme des Meisters aus einer originalgetreuen Nachbildung seines Radioapparats – und natürlich viel Musik. So gut wie alles, was Schönberg von seinen spätromantisch aufrauschenden Frühwerken bis zu kargen späten Stücken aus dem amerikanischen Exil komponiert hat, ist bereits digitalisiert und jederzeit abrufbereit – zum Lesen und zum Hören, versteht sich.

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