Arvo Pärt erhielt Ehrenkreuz von Österreich

APA (epa/Archiv)

Der weltweit wahrscheinlich berühmteste estnische Gegenwartskomponist, Arvo Pärt (72), ist erstmals auch von seiner kaum bekannten Passheimat Österreich offiziell geehrt worden. Er erhielt am Donnerstag im Tallinner Kadriorg-Palast in festlichem Rahmen das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse von Botschafterin Angelika Saupe-Berchtold überreicht.

Pärt bedankte sich bei jenem Land, dass ihn und seine Familie vor 28 Jahren nach der Flucht aus der Sowjetunion als Erstes aufgenommen und eingebürgert hatte. "An einem schönen Sonntagmorgen am 20. Jänner 1980 um sieben Uhr früh bin ich mit meiner Frau, zwei kleinen Kindern und sechs großen Koffern voll mit Manuskripten als Staatenloser an einem Wiener Bahnhof angekommen, in totaler Ungewissheit, wohin unsere Wege weiter führen sollten", erzählte der Komponist. Eine Mitarbeiterin seines späteren Verlages Universal Edition habe ihn damals zu seiner Überraschung ungefähr mit den Worten "Grüß Gott, Herr Pärt - sind Sie bereit in unserem Land zu bleiben und mit unserem Verlag zusammen zu arbeiten?" willkommen geheißen.

Die österreichische Staatsbürgerschaft, die die ganze Familie einige Monate später erhielt, haben ihr Mann, sie selbst und die beiden mittlerweile erwachsenen Söhne auch nach der Zuerkennung der Staatsbürgerschaft des wieder unabhängigen Estland nie abgelegt, erzählte Nora Pärt am Rande des Festaktes in Tallinn der APA.

"Eine so großzügige Geste von einem Staat im vielleicht schwierigsten Moment des Lebens eines beinahe unbekannten Komponisten - Sie können sich vorstellen wie glücklich und dankbar wir damals waren", sagte Pärt in seiner Ansprache. Was die Sowjets ihm und seiner Familie als unerwünschte Personen genommen hätten, habe Österreich ihnen als laut Gesetzestext "erwünschte Personen im kulturellen Bereich" in kürzester Zeit erteilt, zeigte sich der Komponist 28 Jahre später immer noch beeindruckt.

(APA)

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