Volkstheater verfällt, bitte spenden!

Es tropft auf die Bühne, die Fenster sind undicht: Die Geschäftsführung appelliert an Mäzene, Sponsoren, Besucher. 35 Millionen Euro kostet die Sanierung.

Michael Schottenberg
Michael Schottenberg
(c) Clemens Fabry - Die Presse

Augenlose Gesichter irritieren als Hingucker auf der Volkstheater-Homepage: „Auch wenn Sie es nicht sehen wollen, keine Renovierung, kein Theater. Das Volkstheater verfällt.“ Seit Jahren fordert Direktor Michael Schottenberg öffentliche Mittel für die Sanierung. Mit VT-Geschäftsführer Cay Stefan Urbanek ergreift er in seiner letzten Saison nun selbst die Initiative. Die Werbeagentur Lowe GGK hat die Kampagne pro-bono, ohne Honorar, gestaltet – mit Bildbearbeiter Vienna Paint und dem renommierten Fotografen Robert Staudinger.

Um Spenden auf ein Treuhandkonto des Bundesdenkmalamtes bei der Bawag PSK wird gebeten, Erlagscheine liegen an der VT-Tageskasse und in den Bankfilialen auf. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. „Weil es uns gehört“, eine Tasche mit dieser Aufschrift kostet zehn Euro. Wer im VT feiern möchte, kann das tun, erhält Karten in der besten Kategorie, Fingerfood, Champagner und darf seinen Namen in Leuchtschrift am Haus lesen. Das kostet 1.990 Euro. „Honig fürs Volk“, auf dem VT-Dach produziert ein Bienenvolk „Wiener Stadthonig“, auch dessen Verkauf trägt zur Sanierung bei.

 

Absturzgefahr des Balkons

Erhältlich ist der Honig ab Sonntag, 14. September, an der VT-Tageskasse. Am 14. ist Tag der offenen Tür und zugleich (rund zehn Tage später als in Burg und Josefstadt) Saisoneröffnung: Von 10 bis 15 Uhr gibt es Veranstaltungen bei freiem Eintritt, gleichzeitig feiert das VT 125. Geburtstag. Abends ist die Premiere von „Die Vögel“ des Aristophanes. Beim Brandstätter-Verlag erscheint das Buch: „Was soll das Volk im Theater? 125 Antworten aus 125 Jahren Volkstheater.“

Für die Renovierung erhofft man sich auch eine Beteiligung der Stadt. Insgesamt soll die Generalsanierung etwa 35 Millionen Euro kosten. Die Situation ist prekär: Das Dach ist undicht, es tropft auf die Bühne, die Fenster müssen saniert werden, die Bühnenmaschinerie, die Rote Bar. Es droht, wie bei der Josefstadt vor der Renovierung, der Entzug der Betriebsgenehmigung. Der Rang ist baufällig.

„1889 von Wiener Bürgern ,für das Volk‘ gegründet, sind jetzt nicht nur die öffentliche Hand und Sponsoren, sondern wir alle gefragt, einen Beitrag zum Erhalt dieses einzigartigen Hauses einzubringen“, heißt es in dem VT-Appell. Zuletzt wurde das Volkstheater Anfang der 1980er-Jahre (Direktion: Paul Blaha) renoviert, allerdings floss damals viel Geld in die Sanierung der historischen Bausubstanz und weniger in Erneuerungen hinter der Bühne, Infrastruktur, Künstler-Garderoben etc.

Die Sanierung des Josefstädter Theaters und der Kammerspiele wurde mit maßgeblicher Hilfe von Peter Pühringer und der Amisola-Stiftung Karl Wlascheks bewältigt, aber auch mit Fundraising beim Publikum und mit öffentlichen Mitteln. Insgesamt wurden in beide Häuser rund 30 Millionen Euro investiert. Beim Salzburger Haus für Mozart gab es einen Renovierungs-Euro, der auf die Kartenpreise drauf geschlagen wurde. (bp)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2014)

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