Seefestspiele Mörbisch: Serafin tobte, Zabine jodelte

Ralf Benatzkys Operette „Im weißen Rössl“ mit Rainhard Fendrich, Zabine, Klaus Eberhartinger: Nette Unterhaltung mit schwachen Stimmen.

Mörbisch-Intendant Harald Serafin als Kaiser Franz Josef I. in der Kulisse seines ''Weißen Rössl''. Via ORF sahen die Premiere 602.000 Zuschauer.
Mörbisch-Intendant Harald Serafin als Kaiser Franz Josef I. in der Kulisse seines ''Weißen Rössl''. Via ORF sahen die Premiere 602.000 Zuschauer.
(c) ORF

War die ORF-Übertragung schuld? Oder doch die nicht ganz taufrische Tonanlage des Herrn Serafin? Der Grund für den teilweisen Ausfall der Lautsprecherbeschallung im ersten Teil des „Weißen Rössl“ wurde zum Pausengespräch Nummer eins im Mörbischer Seetheater. Gestört hat die kurze Panne kaum (außer den Intendanten, der bei der Premierenfeier einen Tobsuchtsanfall bekommen haben soll), die Zuseher übernahmen mit Klatscheinlagen kurzerhand die Funktion des Orchesters, die Sänger gaben unbeirrt ihr Bestes.

Womit wir auch schon beim Hauptkritikpunkt wären: Bis auf wenige Ausnahmen war das gesanglich Beste, das bei dieser Aufführung geboten wurde, leider weit unter jenem Niveau, das man der Operette im Speziellen und dem Weißen Rössl im Besonderen wünscht. So überzeugend Rainhard Fendrich als Zahlkellner Leopold (samt wirklich charmantem Dialekt) auf der Bühne agiert – seinen Ohrwürmern („Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“, „Zuschaun kann i net“) fehlt es einfach an Stimmgewalt und -intensität.

Auch Zabine Kapfinger beeindruckt mit ihrer Darstellung der reschen Rösslwirtin Josepha Vogelhuber – gesanglich aber eher mit dem eingeschobenen Jodler zu Beginn des zweiten Akts als mit ihrer regulären Partie. Von den Genre-Fremden schlägt sich EAV-Frontman und ORF-Moderator Klaus Eberhartinger als Sigismund am besten: Er staunt mit viel stimmlichem Elan darüber, dass er so schön ist.

Aber auch die klassisch Geschulten können das Niveau nicht retten, mit einer Ausnahme: Klaus-Dieter Lerch ist ein auf allen Ebenen wunderbarer Fabrikant Giesecke. Die Qualität des Orchesters ist aufgrund der Verzerrungen der Anlage kaum zu beurteilen – klangliche Differenzierungen waren da jedenfalls kaum auszumachen.

Freilich: Wer künstlerische Qualität sucht, reist ohnehin nicht nach Mörbisch. Es ist das Spektakel, das zählt. Und das zu entfachen, gelingt Intendant Harald Serafin wieder einmal hervorragend. Bühnenbild, Kostüme (Rolf Langenfass) und Inszenierung (Karl Absenger) fahren mit allem auf, was dem Auge schmeichelt: Pittoreske Häuschen, Berge, Mond und Sterne, rot-weiß karierte Tischtücher, Kühe, Strohhaufen, ein alter Postbus oder ein glänzend polierter Austin Healey.

 

Die ganze Welt ist himmelblau – wirklich!

Die Darsteller fahren Tretboot, baden im Neusiedler See, wandern durchs Publikum oder auf Almwiesen, tanzen, springen, blödeln. Zu „die ganze Welt ist himmelblau“ leuchten blaue Lichter, und die Tänzerinnen tragen blaue Kleider, blaue Fächer und blaue Haare. So nett, so vorhersehbar. Auch die Tanzeinlagen (Choreografie: Giorgio Madia) bleiben gefällig: Stubenmädchen, Bauernbuben, Kellner, Sommerfrischler wirbeln mit bunten Schirmen, Heugabeln, Staubwedeln oder Tabletts herum.

Im Gedächtnis haften bleiben zwei Szenen: Die poppige Tanzeinlage der Kühe und Harald Serafin, der als seniler Kaiser Franz Josef einen meterhohen Hochstand erklimmen muss und anschließend verlautbart: „Es war sehr hoch, es hat mich sehr gefreut.“ Da geht die Würde baden – aber das Volk nimmt's mit Großmut.

AUF EINEN BLICK

Besetzung: Serafin spielt Kaiser Franz Josef, Fendrich den Kellner Leopold, Zabine die Rössl-Wirtin, Eberhartinger den Sigismund.

Termine: bis 24.8., Do., Fr., Sa., So.; Karten: 20–125 €, Tel: 02682/66210-0 www.seefestspiele-moerbisch.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2008)

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