Gunkl privat: Urlaub auf der Autobahn

Günther Paal kennt man als Gunkl, als Musiker und Vielredner. Aber wussten Sie, dass er Urlaub auf der Autobahn macht, Gadgets und Allradantrieb mag und wegen eines „Dings“ nach Kassel fährt?

Gunkl
Gunkl
(c) Die Presse (Julia Stix)

Der Kabarettist Gunkl spricht gerne und viel, drum eine Runde Worte-Zwirbeln zum bitteren Einstieg, damit man gleich weiß, mit wem man es hier zu tun hat: „Wer etwas nicht weiß, aber wissen will, der fragt. Prima Sache, hat auch etwas Unschuldiges. Zuerst hat man eine bestimmte Information nicht, dann diese Information schon. Sehr neutral. (Anm.: Nicht ablenken lassen.) Der Begriff der Fragwürdigkeit setzt eine Annahme voraus, deren Eintreffen nun abgefragt wird, und impliziert, dass diese Abfrage jeweils zum Nachteil des betrachteten Objektes oder Phänomens ausfällt. Weniger unschuldig.“ (aus „Gunkls Tip des Tages“ vom 1.1.2006). Und um dieser Idee gleich ein Haxerl zu stellen: Den Künstler Günther Paal will hier niemand in Frage stellen, aber Fragen stellen wollte
man ihm dennoch. Ein Interview bei ihm zu Hause, weil er in Kürze sein neuntes Soloprogramm vorstellen wird und weil Reisezeit ist. Darum ging diese Reise auch in den neunten Wiener Gemeindebezirk.

Paal vulgo Gunkl ist eine rhetorische Dampfwalze, zuerst rollt er mit seiner Expertise über die Hörer- und Seherschaft, dann geht er auf Nummer sicher, schiebt zurück, walzt in Mundart noch einmal drüber. Diese biegsame Sprache wollte er auch im Gespräch mit dem „Schaufenster“ nicht bleiben lassen. Eine Kostprobe: Was hält der Wiener Kabarettist von den anstehenden Neuwahlen, wie steht er zur Regierung Gusenbauer? Einmal gunkelt’s prophetisch: „Wie schlimm soll es denn noch werden“, dann brummt es: „Das war der kaukasische Kreidekreis für Gemütskranke. Also, diese zwei Volltrotteln reißen umanand an Österreich (…) Und dabei muss man dieses Dorado an Hoppsassa doch einfach nur verwalten, nicht regieren.“ Warum er trotz des Ärgers nicht einmal ein politisches Kabarett schreibt? „Mir geht es immer um die Grundlagen, weniger um die Ausformungen“, und abgesehen davon wäre es ihm zu öde.

Ausdenken, nicht abschreiben. „Ich wollte eine Geschichte schreiben“, sagt er über sein neues Programm, das bezeichnenderweise dann auch „Verluste – Eine Geschichte“ heißt. „I homma denkt, i konn des“, dackelt die Begründung nach. „Die Geschichte, um die es geht, ist ein Ablauf von Ereignissen und Zuständen.“ Weltanschauungen will er in Antworten gießen. Alles habe er sich ausgedacht, denn „die Pflicht des Schreibenden ist es, nicht abzuschreiben“. Die Ideen für das neue Programm kämen zwar aus dem Leben, allerdings ziele er auf nichts ab, was sein eigenes geprägt hat, „es sind keine tatsächlichen Erlebnisse. Authentisch wird’s durch mich.“

Das heißt wohl, er will nicht sagen, worum es geht. Aber man darf sich im fröhlichen Ausschlussverfahren üben. Im neuen Programm könnte er also nicht wieder „nur“ laut vor sich hindenken, wie etwa im Vorgänger „Wir – Schwierig“, wo er sich emotionsfrei mit Ludwig Wittgenstein anlegt. „Die Welt ist alles, was der Fall ist?“ Nicht doch, 2006 erwidert er, die Welt sei „ein unübersichtliches Gemenge an Gegebenheiten und Möglichkeiten.“ Die man nutzen kann oder auch nicht, so wie auch die Euro-Fanzone zum Beispiel: „Ich hätte mir jedes Spiel ansehen können, ohne es dann quasi zu tun.“ Die Fußball-EM hätte, wenn, dann über den Fernseher Einlass in seinen Haushalt gefunden.

Ein schwerer Raucher-Haushalt übrigens. Ein heller, freundlicher, vielfach verspiegelter Raucher-Haushalt am Alsergrund. Den teilt er mit seiner Freundin, einem geordneten Haufen an Musikinstrumenten und allerlei technischem Firlefanz. Günther Paal beschreibt sich selbst als „Gadget-Freak“ mit der artigen Neigung zum Wohltäter. Computer, die ihm langweilig werden, verschenkt er an seine Umwelt.

Neben den Studio-Gerätschaften findet man in „seinem Zimmer“ aber vorwiegend Bässe, was nicht unwesentlich damit zu tun hat, dass der Kabarettist auch Musiker ist. Ein Stück Wissen, das spätestens seit seinen Auftritten beim Donnerstalker Alfred Dorfer bekannt sein sollte. Die beiden haben miteinander übrigens nicht nur viele Abende vor der Kamera verbracht, sie sind auch schon lange befreundet, seit der „Wiener Wunder“-Zeit: Das ist die Band, mit der Paal 1992 etwa den Soundtrack für den Film „Muttertag“ bastelte.

Der Bassbauer in Kassel. Sein aktueller Liebling in der Musikkiste ist ein schmaler, schwarzer Headless Bass. Dieses Instrument hat er eigens anfertigen lassen, dann ist dem Herrn „ein kleines Dings obrochn“. Dieses Dings (vermutlich ein Teil der Stimm-Mechanik) „hätte man ja nachbestellen können“, sagt er misstrauisch. „Aber das dauert sehr lange, und es kommt auch nie an. Man muss dreimal nachtelefonieren, der ruft von drei Malen einmal dort an, wo er es bestellt hat, und dann sagen die, die Firma ist in Konkurs, verkauft, das geht frühestens ...“ Ist ja auch egal, jedenfalls gab es da einen Mann in Kassel, der auch Headless-Bässe baut. „Ich hab ihn angerufen. Er hat gesagt, er hat so ein Dings, kann es mir schicken.“ Darauf Paal entschlossen: „Nein! I kumm vorbei.“ Und hier steckt ein Hinweis auf die Gunkl’sche Art zu reisen.

Urlaub auf der Autobahn. Denn Günther Paal fährt in seiner Freizeit gern auf Autobahnen herum. Man betone, nur mit Allradantrieb, das ist ästhetischer. „Die Welt ist draußen, ich bin drinnen“, so gefällt es ihm. Alleine, weil seine Freundin gern in schönen Hotels schläft, und in Wahrheit „ist es auch niemand anderem zumutbar“. „Ich höre Deutschlandfunk“, die Nachrichten klingen da nicht so, als wolle man ihm ein Unglück verkaufen. Günther Paal komplettiert das Bild, indem er eine Radio-Unfallmeldung als Werbeslogan imitiert. Nachdem er die österreichischen Autobahnen kennt, traf es sich wohl günstig, dass der Bassbauer in Nordhessen lebt und arbeitet. Dort fand er abgesehen von einem heilen Bass „eine Spedition und einen muslimischen Betverein“. Andere Urlaubsziele waren Oberhausen, um Jochen Malmsheimer – einen „brillianten Kabarettisten“ – in seiner Vorstellung zu besuchen.

Anschließend war er in Essen. „Im Urlaub fährt man doch nicht nach Essen“, kritisiert er sich. Aber das wäre ihm eigentlich wurscht, er wollte ja nur wo schlafen. Hat dann aber doch noch ein paar Tage angehängt. Um den Kern des Ruhrgebiets zu beschreiben, zitiert er mit schiefer Miene den Volksmund: „Wer Essen kennt, will nicht wissen, wie Kotzen aussieht.“

TIPP

Verluste – eine Geschichte wird am 28.8. in der Wiener Kulisse, dem „emotionalen Dreh- und Angelplatz“ des Künstlers, uraufgeführt.

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