Hansi Lang: Das ewige Talent ist tot

Hansi Lang starb 53-jährig an einem Schlaganfall. Er hinterlässt ein paar der intensivsten Songs, die der Pop hierzulande hervorgebracht hat.

Hansi Lang
Hansi Lang
(c) APA (DIETMAR LIPOVICH)

Er geht auf der Straßn, sagt net, wohin. Seine Leber ist hin. Seine Venen sind offen, und es riecht nach Formalin. Das alles macht eam kann Kummer, wäu er ist in Wien. Ganz Wien ist heut auf Heroin...“. Diese auf einem mageren Synthie-Riff hoppelnden Worte tröpfelten 1980 aus dem Mund des großen „Hauns“, des Kurzzeit-Weltstars Falco.

Lang, der sein patschertes Leben lang der „Hansi“ blieb, griff sofort zu, spielte eine viel intensivere Version ein. Allein, das Publikum dankte es ihm kaum. Es adelte Falcos blasierte Version, während Hansi Langs Interpretation kommerziell verhungerte.

Erst in den späten 90ern wurde die Version dank einer U4-Kompilation von einer neuen Generation gewürdigt. In Paulus Mankers Grusical „F@lco – A Cyber Show“ durfte Hansi Lang 2000 den charakteristisch abgehackten Gesangsstil rehabilitieren, der ihn 1982 mit den ersten Soloalben zur heimischen New-Wave-Hoffnung gemacht hatte, mit unvergesslichen Songs wie „Ich spiele Leben“, „Realstadt“ und „Monte Video“.

Es waren Kulthits des ständig zwischen toxischen Ekstasen und realen Selbstzweifeln hin und her torkelnden Künstlers, der ein „ewiges Talent“ war: Kommerzieller Erfolg und künstlerischer Höhenflug blieben in der Folge aus. In den 90ern verlegte sich Lang auf die Schauspielerei, spielte auf Pawlatschen, sogar in der Wiener Josefstadt. Ein Stehaufmanderl, ein Comeback-Kid wurde er nun genannt. Mühsam überwand er die langjährige Drogensucht, widmete sich als Alleinerzieher der geliebten Tochter. Viel machte er dann fürwahr durch, ertrug sogar Auftritte mit Rudi Nemeczek und Eberhard Forcher auf deren „Eisbär“-Retroschau.

Der latente Kummer formte seinen späten Gesangsstil. Kein Vergleich mehr mit der mondsüchtigen, stets überkippenden Kopfstimme, mit der der Ex-Hallucination-Company-Sänger ab 1975 ins Mikro heulte. Zuletzt erreichte er die Herzen mit einer eindrucksvollen Mischung aus Lakonik und Bitterkeit. „Erfolg ist mir da, wo ich jetzt angekommen bin, gänzlich wurscht“, meinte er, als er daran ging, mit dem „Slow Club“ ein größeres Publikum zu erobern, mit Elektroniker Wolfgang Schlögl und Ex-Falco-Keyboarder Thomas Rabitsch Juwelen des Great American Songbook interpretierte.

Jazz hatte Lang schon als Kind gehört: Der Sohn eines US-Besatzungssoldaten war oft auf Militärbasen in Deutschland und Frankreich. Mit dem umjubelten „Slow Club“ war er, der sich zu oft zwischen Sucht und Kompromiss verloren hatte, endlich bei sich angekommen. Nun starb er 53-jährig, überraschend, an einem massiven Schlaganfall, den er am Samstag während Aufnahmen im Tonstudio erlitten hatte. Hansi Lang hinterlässt ein paar der intensivsten Songs, die der Pop hierzulande hervorgebracht hat.

ZUR PERSON

Hansi Lang kam 1955 in Hernals als Sohn eines US-Besatzungssoldaten zur Welt. 1982 erschienen die exzeptionellen New-Wave-Platten „Keine Angst“ und „Der Taucher“, zuletzt feierte er mit „Slow Club“ Erfolge.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2008)

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