Baden: Ein bisserl zu wenig Wiener Charme

„Ein Walzertraum“ überzeugt musikalisch, doch der Funke der Walzerseligkeit springt nicht über.

Traditionell startete das Stadttheater der Bühne Baden die Wintersaison: mit der Operette „Walzertraum“, einem Frühwerk von Oscar Straus. In ihm stecken allerlei charmante musikalische Nummern, ohne inszenatorische Auffrischung wirkt es aber wie ein Relikt – aus einer Zeit, als Damen noch über kleine Anzüglichkeiten der Herren kicherten und Männer sogar das Dekolleté der Gattin erst nach der Hochzeit zu Gesicht bekamen.

Dabei weckt das erste Bild zunächst Hoffnung: Regisseur Daniel Pascal stellt den in Bezug auf Frauen noch etwas orientierungslosen Leutnant Niki, seine frisch vermählte Gattin, Prinzessin Helene (im Businesskostüm) und Nebenbuhlerin Franzi (in Jeans) in ein Museum, wo ein riesiges Bild jener Damenkapelle hängt, die Anfang des 19.Jahrhunderts noch ein echter Aufreger war – und deren „G'stellte Mädeln resch und fesch“ den österreichischen Leutnants im fernen Deutschland schon dadurch den Kopf verdrehen, dass sie Wienerisch sprechen...

 

Zurück zur steifen Etikette

Doch diese Szene wirbelt nur kurz den Staub weg – schon schlüpft Niki in den Rock des Leutnants, Helene ins Hochgeschlossene und Franzi ins Rüschenkleidchen, und ab geht's mit der Zeitmaschine zurück zur steifen Etikette. Gegen die helfen, so heißt's im Stück, nur ein Wiener Walzer und der Wiener Charme. Aber die Geschichte funktioniert so nicht: Christian Sturm gibt zwar wie Maximilian Mayer als Montschi einen optisch und gesanglich feschen Leutnant – die beiden können sich als Deutsche aber bemühen, wie sie wollen: Das Wienerische nimmt man ihnen nicht ab. Das wäre jedoch die zentrale Idee: Die verkorkste Prinzessin Helene aus Deutschland (gesanglich hervorragend, aber etwas zu spröde dargeboten von Frauke Schäfer) angelt sich den Wiener Niki und kriegt später von Franzi (spielfreudig und kokett: Simona Eisinger) und dank charmanter Ballettnummern gezeigt, wie Wienerinnen die Männer umgarnen – inklusive „Kugelhupf“.

Für Gelächter sorgen der Kaiserschmarren als „zertrümmertes Omelette“ sowie Rupert Bergmann als Brautvater Joachim XIII. von Flausenthurn mit Hörrohr und Tigerpatschen. Sylvia Rieser ist eine g'standene Kammerfrau, Alice Waginger eine freche Tschinellenfifi, Beppo Binder ein outriert grimmiger Graf Lothar. Und über allem schweben die luftigen Melodien, das Orchester spielt tadellos: „Liebliche Weise, Walzertraum...“ Letztlich fehlt es aber an zündenden Ideen, um den Funken dieser Walzerseligkeit ins Heute überspringen zu lassen. (i.w.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2014)

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