Peymann-Brief: „Wenn Sie nun, lieber Herr Muliar ...“

In der Fehde zwischen Schauspieler und Ex-Burg-Chef beschwichtigt Letzterer. Vergeblich.

(c) APA (Barbara Gind)

„Sehr verehrter Herr Muliar!“ So beginnt ein Brief Claus Peymanns an seinen alten Intimfeind. Muliar fand sich in einem Buch („Peymann von A–Z“), das der Ex-Burgtheater-Direktor und Leiter des Berliner Ensembles am 12. 12. im Akademietheater vorstellt, als „hundertprozentiger Trottel“ beschimpft. „Von dem Rotzbuben lasse ich mich nicht beleidigen!“, so Muliar letzten Freitag zur „Presse“. Er habe Peymann geklagt, fordere eine Entschuldigung und eine 10.000-EuroSpende für Tierschutz oder Blinde.

Dabei bleibt er auch nach dem versöhnlichen Brief Peymanns, den Muliar nicht als Entschuldigung wertet. Peymann müsse seine Beleidigung in allen Medien zurücknehmen, die sie veröffentlicht hätten. Kommenden Sonntag ist Muliar in der Sendung „Vera Exklusiv“ eingeladen (16. 11., 17.05 Uhr, ORF 2).

 

Peymann: „Rhetorische Übertreibung“

Peymann scheint den heftigen Konflikt mit Muliar geahnt zu haben. Bereits am 5. 11. hat er seinen Brief abgesandt, den Muliar nun der „Presse“ übermittelte. Er wisse nicht, schreibt Peymann, ob Muliar ihn tatsächlich klagen wolle – und warum. Das Buch enthalte viele Äußerungen, Zitate aus Drucksachen, Interviews, Pressegesprächen, Reden, Meinungen aus fünf Jahrzehnten, somit auch aus Peymanns Jahren am Burgtheater 1986–1999: „Naturgemäß sind diese Meinungen oft sehr widersprüchlich und gewiss theatralisch-rhetorische Übertreibungen.“ Dieses Buch, so Peymann, „enthält auch negative Meinungen über mich und schreckt sogar vor Beschimpfungen meiner Person nicht zurück“.

Freilich habe er keinerlei Einfluss auf die Auswahl der Texte gehabt, so Peymann, diese habe der Herausgeber Hans-Dieter Schütt getroffen. Dieser habe auch einen offenen Brief Peymanns an Muliar abgedruckt, „nämlich eine Liebeserklärung an den Schauspieler Muliar“, was Peymann sehr recht ist: „Wenn Sie nun, lieber Herr Muliar, gegen das Buch klagen wollen, dann werden Sie nicht nur mit langjähriger Verspätung gegen irgendeine Äußerung von mir klagen, sondern im Grunde auch gegen meine Liebeserklärung an Sie...“

„Wie auch immer unsere Geschichte weitergehen wird – in einem Bernhard-Dramolett heißt es: ,Ich bin gespannt, wie es weitergeht.‘ Ich wünsche Ihnen Gutes und Glück!“, schreibt Peymann. bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2008)

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