Burgtheater: Zahlreiche Klagsdrohungen

Geschäftsführer Königstorfer sagte im Prozess um die Entlassung seiner Vorgängerin Stantejsky aus.

 KÖNIGSTORFER
 KÖNIGSTORFER
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Noch immer widme er ein Drittel seiner Arbeitszeit der Aufarbeitung der Causa Stantejsky: Das sagte Thomas Königstorfer, kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters, am Montag beim arbeitsrechtlichen Prozess um seine Amtsvorgängerin, Silvia Stantejsky. Sie wurde am 18. 11.2013 fristlos entlassen, wegen angeblicher gefälschter Belege und „doloser Handlungen“, sie bestreitet diese.

Stantejskys Anwälte stützen sich u.a. darauf, dass ihr nach ihrer Entlassung eine Weiterbeschäftigung als Referentin von Matthias Hartmann angeboten worden sei – was rechtlich höchst relevant wäre. Zu dem neuen Vertrag, den sie sich erhoffte, kam es bekanntlich nie. Königstorfer sagte nun aus, dass es kein konkretes Vertragsangebot für eine Weiterbeschäftigung gegeben habe. Auch Georg Springer, der ehemalige Chef der Bundestheater-Holding, hat bei seiner Einvernahme erklärt, er habe Stantejsky kein Angebot gemacht. Hartmann hatte hingegen ausgesagt, es sei sehr wohl laut über die Möglichkeit eines neuen Jobs nachgedacht worden.

 

„Situation ist keine angenehme“

Königstorfer schätzte bei der Einvernahme auch die finanzielle Größenordnung der Causa ab. Er wisse von zehn Fällen, bei denen Personen Ansprüche stellen, die aus Sicht des Burgtheaters bereits beglichen seien; hier gehe es um 400.000 bis 500.000 Euro. Umgekehrt stelle die Burg Forderungen an rund 20 fest angestellte Mitarbeiter und 100 Werkvertragspartner, hier sei rund eine Million Euro im Spiel. Dazu kommen weitere 30 bis 50 Mitarbeiter, in deren Verträgen stehe, dass ihre Gehälter valorisiert würden, was aber dann nicht passiert sei; Wirtschaftsprüfer schätzen mögliche Nachzahlungen auf 500.000 Euro. Bisher gebe es nur eine Klage, aber viele Klagsdrohungen, sagt Königstorfer: „Die Situation ist keine angenehme.“

Vor Königstorfer sagte Wirtschaftsprüfer Ewald Kager aus, der die forensische Aufarbeitung der Causa geleitet hat: Man habe in den Jahren 2012 und 2013 Überweisungen vom Konto des Burgtheaters auf Stantejskys Privatkonto festgestellt, für die kein nachvollziehbarer Grund zu finden gewesen sei. Peter Stransky, Leiter der Internen Revision der Bundestheater, erklärte bei seiner Einvernahme die Hintergründe solcher Überweisungen: So habe es die Burgtheater GmbH ihren Mitarbeitern ermöglicht, private Überweisungen über ein Burg-Konto zu tätigen – etwa wenn man einen Strafzettel nicht vom eigenen Konto zahlen wollte. „Bank Burgtheater“ nannte Stranksy dieses System. Ein buchhalterischer Schaden sei durch die Privatüberweisungen aber nicht erkennbar. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2015)

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