Kabarett: Der Tod hat kein Bummerl

Großer Applaus für BlöZingers lustiges und berührendes Programm „bis morgen“ im Kabarett Niedermair.

Robert Blöchl und Roland Penzinger
Robert Blöchl und Roland Penzinger
Robert Blöchl und Roland Penzinger – (c) Ernesto Gelles

Was wünscht sich fast jeder, wenn der Tod anklopft? Mehr Zeit. Keiner wünscht sich, er hätte mehr gearbeitet oder er hätte mehr Pokémons gefangen. BlöZinger haben in ihrem siebenten Kabarettprogramm viel gearbeitet, um uns zu zeigen: Zeit ist alles, was zählt. Sie brauchen keine schnell geschnittenen Szenen mit zig Figuren wie früher. Die zwei Burschen aus Linz besinnen sich stattdessen auf Ruhe und Einhalt. Die einzigen Szenen, in denen in „bis morgen“ gerannt wird, spielen in Slow Motion: Es ist das Wettrennen zweier Greise am Rollator – um die Fernbedienung im Altersheim. Ja, der 50-jährige Roland Penzinger und der 42-jährige Robert Blöchl nehmen das Altersheim als Setting und unsere älter werdende Gesellschaft als Thema ihres aktuellen Kabaretts.

Schließlich kennt Blöchl den Alltag in der Geriatrie von seinen Besuchen als CliniClown recht gut. Einige Charaktere im Stück sind direkt aus Beobachtungen der alten Patienten hervorgegangen. Penzinger, ebenfalls CliniClown, der früher auch als Straßenkünstler und Kindergärtner gearbeitet hat, steuert die kindliche Fröhlichkeit in diesem Programm bei. Und zwar in seiner Figur als Tod. In „bis morgen“ findet der Tod einen Freund: den 75-jährigen Franz, der im Altersheim keine Freude mehr am Leben hat.

Der Tod spielt lieber Schach

Doch der Tod nimmt ihn nicht mit, er spielt lieber Schach, Schnapsen und Scrabble mit Franz. Ein ganzes Jahr lang. Ein Jahr, in dem sich viel verändert. Denn nach langen Gesprächen mit dem Tod findet Franz seine Lebensfreude wieder. Und der fröhliche Tod, der anfangs an Sheldon Cooper aus der Serie Big Bang Theory erinnert, wenn er Franz' Sarkasmus nicht versteht, fängt sich nach der Pause eine Herbstdepression ein.

Blöchl erinnert in der Darstellung des sarkastischen, vom Leben enttäuschten Franz ein wenig an seine Hauptfigur aus „Kopfwaschpulver“, dem vorigen BlöZinger-Programm. Die Weiterentwicklung, die sich BlöZinger für jedes Programm vornehmen, erkennt man diesmal in der Relevanz des Themas und der Nähe zur Realität. Nicht nur die mehr oder weniger dementen Mitbewohner sind so gezeichnet, wie wir alle solche Typen vom Besuch diverser Verwandter im Altersheim kennen. Auch der ewig eingerauchte Zivildiener, den Penzinger mit Hingabe mimt, war so gut einstudiert, dass ein Premierengast am Buffet des Kabarett Niedermair zu Penzinger sagte: „Genauso sind wir Kiffer.“

Im Stück erheitert der Zivildiener die Zuseher mit Sprüchen wie: „Letztens wollte ich eine alte Oma mit violetten Haaren fangen, weil ich dachte, sie ist ein ganz seltenes Pokémon.“ Der Tod hingegen bietet eine teils tiefsinnige, teils seichte Sammlung an Lebensweisheiten feil, etwa „Oben fit, unten dicht – mehr wünscht man sich im Alter nicht“.

Perfekt abgestimmter Körpereinsatz

Insgesamt begeistern Blöchl und Penzinger wie immer mit dem perfekt abgestimmten Körpereinsatz der Figuren. Regie führte erstmals Jacob Banigan, der vor allem deshalb auf das körperliche Schauspiel der beiden achtete, da er als Kanadier den österreichischen Dialekt nicht sonderlich gut versteht.

Manchmal muss der Zuseher direkt multitasken und hin- und herblicken, wenn er kein Detail der Darbietung verpassen will. Etwa wenn Blöchl die bisher berührendsten Lieder, seit es BlöZinger gibt, am Klavier vorträgt, und Penzinger als immer geile Pensionistin dieser Vorstellung mit all ihren Körperteilen lauscht.

Die Moral von der Geschichte: Das Leben im Altersheim ist kein Honigschlecken, aber jeder soll aus seinem Leben das Beste machen. BlöZinger haben aus „bis morgen“ jedenfalls das Beste gemacht.

>> http://www.bloezinger.at/

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