Kulturpolitik: Streit ums Hintertürl

Heftige Kontroverse im Gemeindekulturausschuss: um eine neue Bühnentür im Theater an der Wien, vor allem aber um das Defizit der Vereinigten Bühnen.

Kultursprecherin der Grünen, Marie Ringler.
Kultursprecherin der Grünen, Marie Ringler.
(c) Michaela Bruckberger

„Ein finanzielles Desaster“, ortet die Wiener Kultursprecherin der Grünen, Marie Ringler, bei den Vereinigten Bühnen Wien (VBW). „Karten auf den Tisch“, fordert der Wiener VP-Kultursprecher Franz-Ferdinand Wolf: „Wir wollen endlich den Finanzbedarf des heurigen Jahres wissen!“ „Unverständlich und unfair“ findet man im Büro von Kulturstadtrat Mailath-Pokorny (S) die Angriffe.

Anlass: Das Theater an der Wien erhält bis 2011 eine neue Hintertür für 2,1 Mio Euro. Die Bühne wurde 1801 vollendet und zuletzt vor 50 Jahren umgebaut. Trotzdem eine happige Summe. „Nein“, sagt Opernintendant Roland Geyer: „Wir bekommen einen Lift, mit dem wir Dekorationen direkt auf die Unterbühne fahren können.“ Dadurch verkürzen sich Umbau-und Probenzeiten. Die Nachfrage nach dem Abonnement des Theaters an der Wien, das zu fast 100 Prozent ausgelastet sei, selbst wenn es Raritäten wie Benjamin Brittens „Death in Venice“ spiele, steigt. Sie könne bald besser befriedigt werden, indem man statt sechs sieben bis acht Vorstellungen anbieten kann. Weitere Investitionen: Ein Lift fürs Personal ins Dach, der Vorplatz wird neu gestaltet, die Sicherheit verbessert.

Spendiert hat das Geld Vizebürgermeisterin und Finanzstadträtin Renate Brauner (S) aus dem Infrastrukturbudget, dazu noch einige hunderttausend Euro für die Sanierung des neuen Theaters im Nestroyhof (Wien 2). „Man sollte sich freuen, wenn die Kultur etwas bekommt“, heißt es im Mailath-Büro.

 

VBW-„General“ verteidigt Musical

Die Bühnentür des Theaters an der Wien ist allerdings nur ein Nebenschauplatz. In Wahrheit geht es um das heurige VBW-Defizit. „Rudolf“ im Raimundtheater soll ein Flop sein, auch „Tanz der Vampire“ im Ronacher nicht gut gehen. Bereits bei „Producers“, die wegen Auslastungsproblemen nach Berlin verkauft wurden, stimmten die von den VBW angegebenen Auslastungszahlen nicht, so die VP: Es waren nicht 70, sondern nur 60 Prozent. „Die Musicalsparte ist offenkundig schwer notleidend“, sagt Wolf. VP und Grüne verlangen einen baldigen Sonderkulturausschuss, bei dem die Finanzlage geklärt werden soll – in Anwesenheit von VB-Generaldirektor Thomas Drozda, Musicalchefin Kathrin Zechner und Opern-Intendant Roland Geyer.

Zehn Mio. Euro soll das VBW-Defizit ausmachen, es würden Rücklagen aus der Oper aufgelöst, „was mich nicht freut“, meint Opernchef Geyer. „Ich kann kein Defizit bestätigen, weil sich bis Jahresende noch vieles ändern kann“, widerspricht Drozda. Bis zu zehn Mio. Euro Defizit können die VBW selber decken. Die Rücklagen stammen nicht aus der Oper: „Geld hat kein Mascherl“ (Drozda), auch beim Musical „Rebecca“, wurden Rücklagen gebildet. „Rudolf“ hat 73 Prozent Auslastung, das sei weniger als die „hochgesteckten Erwartungen“.

Dafür erreichen die „Vampire“ – die auf der Welle der „Bis(s)“-Vampirsaga der Amerikanerin Stephenie Meyer schwimmen – eine Auslastung von fast 100 Prozent. Einnahmen erziele das Musical mit rd. 20 Mio. Euro im Jahr mehr als die Oper mit 2,5 Mio. Die VBW haben 2007 und 2008 um 2,7 Mio Euro. weniger Subvention bekommen, betont Drozda, müssen aber das (für 47 Mio. Euro sanierte) Ronacher mit 100 Mitarbeitern finanzieren. Insgesamt beträgt die VBW-Subvention 37 bis 42 Mio. jährlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2009)

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