Kabarett: Alles passiert im Moment

Magda Leeb zeigt in ihrem ersten Solokabarett, dass gute Nummern kein Drehbuch brauchen. Frei improvisiert liefert sie einen kurzweiligen Abend mit Witz, Charme und Gesang.

Magda Leeb bei der Premiere in der Wiener Kulisse
Magda Leeb bei der Premiere in der Wiener Kulisse
Magda Leeb bei der Premiere in der Wiener Kulisse – (c) Ernesto Gelles

Man muss dieses Stück mehrmals sehen, sonst glaubt man es nicht. Magda Leeb tänzelt bei der Premiere ihres ersten Solokabaretts „ÜberLEEBen“ auf die Bühne der Kulisse Wien – und bannt die Zuschauer mit einer lustigen Nummer über Selfies und dass 40-Jährige zu alt für solche Verrenkungen sind. Doch dieser Sketch ist weder geprobt, noch gibt es dafür irgendwo eine notierte Textzeile. Magda Leeb ist Impro-Künstlerin und wagt nun auch alleine den Sprung ins ungeprobte kalte Wasser auf einer Kabarettbühne. Hauptberuflich ist sie Lehrerin in Wien und steht seit einem Jahrzehnt auf Improbühnen oder mit ihrer Kollegin Anita Zieher auf Kabarettbühnen.

„Natürlich läuft mein Hirnkastel bei allem, was ich lese und höre, mit und ich überlege mir, wie man das auf der Bühne verwenden kann“, verrät Leeb nach der Premiere. Doch für den gesamten Abend gibt es keinen Text und keinen fixen Ablauf. Einziger Fixpunkt ist die Improvisation, sei es in wortgewandten Szenen mit schauspielerischem Körpereinsatz oder musikalisch untermalt durch ein Looper-Gerät, das 25 verschiedene Beats vorgeben und Leebs Stimme in Dauerschleife abspielen kann. Die Musikeinlagen – von Rap über Samba bis Falco-Style und stets begleitet von lässigem bis sexy Tanz – sind genauso wenig einstudiert wie das wunderbare Gedicht, das Leeb aus dem Stegreif vorträgt. Und trotzdem fehlt es diesem Kabarett nie an Substanz.

Publikum bestimmt die Wendungen

Leeb teilt auf charmante Weise aus: gegen Trump und Strache genauso wie gegen am Smartphone hängende Teenager und Lifestyle-Mütter („Zum ersten Geburtstag hat mein Kind eine Vegan-for-Fun-Party bekommen“). Dazwischen schwelgt sie in Erinnerungen an ihre Jungscharzeit, die Nummern klingen wie solides Stand-up. Die Wendungen der Texte werden aber vom Publikum mitbestimmt, das schon in der ersten Hälfte als Stichwortgeber fungiert.

In der zweiten Hälfte wird die Mitmachsache noch intensiviert, denn die Zuschauer sollen während der Pause auf kleine Zettel schreiben, was sie schon immer loswerden wollten: sei es physisch (wie Hämorrhoiden oder das Klumpert im Keller) oder metaphorisch (wie das depperte Gerede vom Ex-Schwiegervater oder ungeliebte Politiker). Dieses Konzept bringt Leeb größte Sympathien ein, denn das Lachen über Dinge, die man sich sonst nicht zu sagen traut, befreit umso mehr, wenn es jemand frech und witzig auf der Bühne breit tritt.

So formt Leeb eine enorm kurzweilige Show aus den geheimen Ängsten und Aggressionen der Zuschauer. Während sie szenen- oder liederweise jeweils eine Handvoll dieser Zettel verarbeitet, gelingt es ihr auch, berühmte Persönlichkeiten auf die Bühne zu stellen, ohne diese zu imitieren oder nach zu äffen. Vielmehr regt Leeb die Fantasie des Publikums an. Und zaubert ein nachhaltiges Grinsen auf viele Gesichter.

Nächste Termine

5. März 2017: Kulisse Wien
31. März 2017: Bühne Purkersdorf
5. April 2017: Theater am Alsergrund

www.magdaleeb.comFaktbox (f8a11f4e)

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