Wörthersee-Bühne: Land Kärnten zieht sich zurück

Das Land Kärnten wird keine Festspiele am Wörthersee mehr veranstalten. Die bisherigen Produktionen auf der heftig umstrittenen Bühne waren finanzielle Desaster. Bis 2012 muss die Bühne noch abbezahlt werden.

Wörtherseebühne 2006
Wörtherseebühne 2006
(c) woertherseefestspiele.com

Die Seebühne, ein Prestigeprojekt des im Oktober 2008 tödlich verunglückten Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider, steht vor dem Aus: Das Land Kärnten lässt die politisch und kulturell stets heftig umstrittene Wörtherseebühne in der Klagenfurter Ostbucht fallen. Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) und sein Parteifreund, Kulturlandesrat Harald Dobernig, gaben am Donnerstag bekannt, dass das Land keine Festspiele am See mehr veranstalten wird.

Zuletzt war mit der Konzertagentur Wolfgang Werner aus Wiener Neustadt verhandelt worden. "Wir hätten das gerne gemacht, aber das hätte für die nächsten fünf Jahre sieben Millionen Euro gekostet, das ist in finanziell schwierigen Zeiten nicht vertretbar", so Dörfler und Dobernig.

Die Kärntner Messen werden die Bühne verwalten, laut Dobernig sind zwei Konzerttermine für dieses Jahr bereits fixiert.

Keine Auskunft über Gesamtkosten

Der Bau der Seebühne hat vier Millionen Euro gekostet. Finanziert wurde das Projekt durch die Kärntner Hypo, insgesamt ist noch knapp eine Million offen, die in drei Jahresraten bis 2012 abgezahlt wird. Dazu kommen noch Millionenförderungen von Land und Bund für die Bespielung. Wieviel insgesamt in das Projekt geflossen ist, konnte Kulturlandesrat Harald Dobernig am Donnerstag nicht sagen.

Das Konzept von Wolfgang Werner, der den Römersteinbruch in St. Margarethen bespielt, hätte laut Dobernig eine Erweiterung der Zuschauerkapazität von 2000 auf 3000 Plätze beinhaltet. "Allein das kostet eine Million Euro." Dazu hätte sich das Land in einem Fünfjahresvertrag zu einer jährlichen Subvention von 1,2 Millionen verpflichten müssen.

"Das hätte bedeutet, dass ich entweder ab dem kommenden Jahr diese Summe nachbudgetieren oder im Kulturressort umschichten hätte müssen", sagte Dobernig. Dazu sei er aber nicht bereit, denn dann hätten bestehende Kulturinitiativen darunter gelitten, "daher ziehen wir uns zurück".

Streit mit Pflegerl

Mit dem Ausstieg aus der Seebühne schließt das Land ein äußerst turbulentes Kapitel der Kulturpolitik. Zuerst gab es Troubles mit dem Stadttheater, dessen Intendant Dietmar Pflegerl einige Sommer lang auf der Bühne werkte. Der künstlerische Erfolg war da, die Kosten waren aber hoch, was zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Pflegerl und Haider führte.

Nach einigen künstlerischen Flops engagierte Haider 2004 Ex-Staatsopernballettchef Renato Zanella als Intendanten. Dieser brachte ein Musical von Lucio Dalla auf die Seebühne. "Tosca: amore disperato" erhielt gute Kritik, die Produktion verbrannte aber Millionen. Die 2004 für fünf Jahre gewährte Subvention des Bundes von 1,6 Millionen Euro musste zur Gänze zur Verlustabdeckung herangezogen werden, zusätzlich schoss das Land noch eine halbe Million nach.

190.000 Euro Jahresgage

Als dann noch der hochdotierte Vertrag Zanellas mit einer Jahresgage von knapp 190.000 Euro plus Fringe benefits bekanntwurde, gingen die Wogen hoch. Im Jänner 2005 war die Ära Zanella vorbei, bevor sie noch richtig begonnen hatte, sein Wirken wurde Gegenstand eines Untersuchungsausschusses im Landtag.

Die Rechtmäßigkeit der Verwendung der Bundessubvention wurde in Frage gestellt, die Finanzprokuratur fand aber keine Möglichkeiten für eine Rückforderung. Das geht aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hervor. Sie antwortete am Donnerstag auf die Fragen des Grünen Kultursprechers Wolfgang Zinggl.

Zugekaufte Produktionen

In den folgenden Jahren herrschte wieder Mittelmäßigkeit, zuletzt wurde die Bühne mit zugekauften Fertig-Produktionen bespielt, seit Donnerstag ist die Idee von Wörtherseefestspielen in der Klagenfurter Ostbucht endgültig Geschichte.

 

(APA/Red.)

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