Provinzkabarett: Jenseits von Fürstenfeld

Thomas Stipsits ehrt im Best-of seine Heimat Stinatz – und unterhält trotz manch altbackenem Thema.

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Thomas Stipsits.
Thomas Stipsits. – (c) imago/SKATA (Karl Schöndorfer)

Wenn die Welt komplizierter wird, hat die schlichte Ordnung der Provinz für viele etwas Tröstliches. Davon zehrt auch Thomas Stipsits, wenn er vom Leben auf dem Land und seinen Bequemlichkeiten erzählt: „Was im Pfarrblattl steht, muss i net verstehn. Das muss i nur glauben!“ Vom Leben auf dem Land hat er in seinen bisherigen Kabarettprogrammen immer wieder erzählt – nun rührte er die Schmankerln daraus zu einem Best-of-Programm zusammen und verortete diverse Erzählungen in der südburgenländischen Gemeinde Stinatz, wo Stipsits selbst seine Wurzeln hat. „Stinatzer Delikatessen“ heißt der Abend, der im Wiener Orpheum seine Premiere hatte.

Stinatz-ferne Charaktere – einen Tiroler Altnazi, einen Kärntner Haider-Nostalgiker – schmuggelte Stipsits dann halt mit dramaturgischen Schlenkern ins Programm, damit sich das Dialektkarussell, auf dem er so gut und gern fährt, trotz geografischer Einschränkung munter drehen kann. Denn Stinatz ist ja hauptsächlich für drei Dinge bekannt: für seine Zweisprachigkeit, den Resetarits-Clan, der von da auf die Bühnen und in die Studios des Landes zog, und seine Erwähnung in STS' „Fürstenfeld“. All das thematisiert Stipsits auch, Letzteres in Form eines Sirtaki, der von einem Steirer mit Fernweh (und Problemen mit der Finanz) handelt, der nach Griechenland auswandern will: „I pfeif' auf Fürstenfeld!“

 

Zu jung für alte Witze

Überhaupt sind die musikalischen Teile das Beste an Stipsits' Vorführung. Beachtlich, wie treffsicher er Interpreten von Grönemeyer bis Bilderbuch imitieren kann – wobei er ihre Lieder stets programmatisch umdichtet: Da demonstriert er zum Beispiel, wie er seinem Sohn Kinderlieder in erwachsenerem Stil näherzubringen versucht, und singt mit gedrungener Wanda-Stimme „Spannenlanger Hansel“ oder schmachtet in Zucchero-Manier von „Giovanni und Gretel“.

Daneben schlachtet er allzu abgehandelte Kabarettthemen weiter aus, was schade ist – und verwunderlich, ist es doch ein 34-Jähriger, der sich hier über „neue“ Medien oder sexarmes Eheleben auslässt. Solch thematische Altbackenheit gleicht er dann aber wieder mit seiner Knuffigkeit aus: In Film- und TV-Rollen legte Stipsits den Typus des stets ein bisserl patscherten lieben Kerls zuletzt ab, auf der Bühne beherrscht er ihn immer noch wie kaum ein anderer. Sein Publikum kriegt er damit herum. Da darf er im Zugabeblock gar mit Weihnachtsliedern (!) aufwarten: Großer Jubel im Saal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2018)

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