Party mit Nestroy und schräger Musik

Das Landestheater Linz zeigt „Der Zerrissene“ – geradlinig, aber doch auch etwas verhalten inszeniert.

Manchmal kann aus einem vermeintlichen Unglück ein wahres Glück werden: In Johann Nepomuk Nestroys Posse „Der Zerrissene“ raufen ein Schlosser und ein im Boxkampf versierter Millionär um die falsche Frau. Sie verkrallen sich ineinander, stürzen vom Balkon ins Wasser, glauben wechselseitig, dass der andere dabei ertrunken sei. Beide halten sich für schuldig am Tod des Kontrahenten und tauchen unter – auf einem Gutshof des Reichen. Sogar als sie sich im finalen dritten Akt im Keller wiederbegegnen, glauben sie jeweils, den Geist des anderen zu sehen. Lange braucht es auch, bis sie erkennen, dass sie einem Phantom nachgerannt sind: Madame Schleyer hat den Schlosser um sein Vermögen gebracht und sich dann aus dem Staub gemacht, sein Kontrahent hingegen wollte sie nur aus einer Laune heraus heiraten. Weil es aber eine Komödie ist, geht die Schwindlerin leer aus, und das brave Patenkind des feinen Herrn wird dessen Braut.

Am Landestheater Linz wurde dieses Stück von Markus Völlenklee geradlinig, aber etwas verhalten inszeniert. Wie stellt man heute den von Langeweile geprägten Reichtum des Jahres 1844 dar? Momme Röhrbein (Bühne) macht aus dem Landhaus im ersten Akt eine Art Nachtklub: Statt Türen gibt es Vorhänge aus Lametta oder Plastik. Nebojša Krulanović sorgt für beschwingte, schräge Musik. Schon beginnt die Party: Drei falsche Freunde des Gastgebers treten in Tierkostümen auf, sie verüben seichte Späße.

 

Das Erben wird zum Glücksspiel

Jan Nikolaus Cerha spielt die Titelrolle, den Kapitalisten Herrn von Lips, der von Ennui geplagt wird, anfangs verhalten, nutzt dessen skurrile Charakterzüge kaum. Im Kampf mit Schlosser Gluthammer (Julian Sigl als bärbeißiger Typ) gelingt dann der Slapstick. Auch für die von David Wagner ergänzten Couplets, die pointiert lokale politische Missstände aufgreifen, erhält Cerha lebhaften Applaus. Gunda Schanderer wirkt als berechnende Madame Schleyer temperamentvoll. Horst Heiss spielt Pächter Krautkopf versiert als Simpel mit Macken. Christina Polzer entzückt als Patenkind Kathi, das Herrn von Lipps längst heimlich verehrt. Sie will ihn retten, wird vermeintlich Universalerbin und dann zur Braut, als sich der Kriminalfall als Irrtum herausstellt. Mit Eva-Maria Aichner als Justiziarius (der das Erbe zuvor an die Männer, dann an die Frau bringen sollte) und in der Kellerszene erhält die Posse nach der Pause mehr Schwung. Wie bei Nestroy zu erwarten: Alles ist gerade noch gut gegangen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2018)

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