"3 Musketiere": Gelungenes Musical-Debüt von Zoë Straub

Beim Musicalsommer im Winzendorf zeigt man erneut Mantel und Degen, diesmal mit D'Artagnan und seinen Gefährten. Ein feine Besetzung lässt kleine Schwächen vergessen.

"Constance" Zoe Straub debutierte auf einer Musicalbühne und fand in Christopher Dederichs als D'Artagnan einen stimmigen Bühnenpartner.
"Constance" Zoe Straub debutierte auf einer Musicalbühne und fand in Christopher Dederichs als D'Artagnan einen stimmigen Bühnenpartner.
"Constance" Zoe Straub debutierte auf einer Musicalbühne und fand in Christopher Dederichs als D'Artagnan einen stimmigen Bühnenpartner. – (c) PHILIPP BERNHARD

Das Rezept hat sich bewährt: Ein Musical, das in die rustikale Steinbruch-Atmosphäre passt, mit einer Besetzung, die nicht nur Genre-Fans anlockt. Beim Musicalsommer Winzendorf startete man am vergangenen Freitag erfolgreich mit den "3 Musketieren" in die zweite Spielsaison.

Das von den Bolland-Brüdern Rob und Ferdi (Falcos "Rock Me Amadeus" oder "Jeannie") ursprünglich für die niederländische Sparte des Musical-Megakonzerns "Stage Entertainment" komponierte Musical passt (in der für den deutschen Markt weiterentwickelten Version) gut in das jahrelang ausschließlich von Winnetou bespielte, überdachte Steinbruchareal. Es erzählt die Geschichte des jungen d'Artagnan, der unbedingt Musketier werden will, denn auch sein Vater war Leibgardist des französischen Königs. Der junge Held verliebt sich in Constance, die am Hof von Königin Anna arbeitet. Und so gerät er in das bereits von Alexandre Dumas in dessen Roman aus Mitte des 19. Jahrhunderts beschriebene Abenteuer - mit leichten, Genre-notwendigen, dramaturgischen Abweichungen.

Ein echtes "Musical-Musical"

Das Musical ist für ein größeres Orchester samt Streicher-Abteilung komponiert (in Winzendorf durch vier Keyboards ersetzt) und mäandert zwischen den Musikstilen Rock und Pop, besticht aber mit schönen Melodien und angenehmem Klangbild. Es wird fast durchgängig im Musical-Belt-Stil (eher lauter, "metallisch" klingender Gesangsstil, der in vielen Formen auch in der Popmusik eingesetzt wird) gesungen und hat mit der Milady de Winter eine der gesanglich anspruchsvolleren Rollen im Musicalfach zu bieten - wie so viele große Rollen geprägt von Pia Douwes in der Uraufführung im Jahr 2003 in Rotterdam.

Was den Machern der Winzendorfer Musicals heuer bereits zum zweiten Mal gelungen ist: einen wirklich guten Cast zusammenzustellen. Mit Christopher Dederichs hat man einen quirligen und stimmlich wunderbaren Hauptdarsteller als D'Artagnan gefunden. Zoë Straub, bekannt als Song-Contest-Teilnehmerin 2016 und als Singer/Songwriterin, gibt in der Rolle der Constance ihr Debüt in einem Musical. Straub spielt entzückend und sticht mit ihrer luftigeren Chanson-Stimme hervor (perfekt: "Gott lächelt uns zu"), die lediglich in der textlich etwas sinnbefreiten Schnulze "Alles" in den Höhen mangels Musical-Belting gegen Dederichs ein wenig untergeht.

Eben diese Technik par Excellence zeigt Lisa Antoni als vielschichtige Milady de Winter, die auch die schauspielerischen Herausforderungen der Rolle eindrucksvoll meistert. Das Damen-Trio komplett macht Sarah Zippusch als Königin Anna. Fein, dass sie nach ihrem tapferen letztjährigen Einspringer-Einsatz als Inez bei "Zorro" für Ana Milva Gomes heuer fix eine Hauptrolle übernehmen darf. Die drei Damen sorgen in "Wer kann schon ohne Liebe sein" für einen der musikalisch schönsten Moment des Abends. Das Ensemble - großteils Studierende und Absolventen des Performing Centers Austria - tanzt und singt mit wunderbarer Energie.

Armin Kahl kehrt als Kardinal Richelieu nach Winzendorf zurück und zeigt gewohnte Stärke. Die titelgebenden drei Musketiere selbst bekommen in dem Stück wenig Gelegenheit zu glänzen, wirken aber durchgehend sympathisch. Die Inszenierung (Andreas Gergen) ist den Gegebenheiten angepasst - mal links, mal rechts, mal am Balkon, mal auf Pferden werden hier die Dialoge gesprochen. Ansonsten bleibt die Inszenierung unauffällig.

Orchester und Sänger nicht immer synchron

Das zwölfköpfige Orchester unter der Leitung von Lior Kretzer macht seine Arbeit gut, soweit man das beurteilen kann. Tontechnisch hat man Verbesserungen zum Vorjahr gespürt, der Text war gut verständlich, die Ton-Mischung der Band blieb aber undifferenziert. Manche Lieder könnten ein bisschen mehr Ruhe vertragen, um sowohl Sänger als auch Melodie Gelegenheit zum Atmen zu geben ("Heut ist der Tag"). Einige Male waren Solisten und Ensemble nicht ganz synchron, was darin liegen könnte, dass die Musiker hinter den Sängern platziert sind. Zwischen Darstellern und Bandleader gibt es keinen Blickkontakt. Doch das alles trübt das Musicalerlebnis "3 Musketiere" in Winzendorf kaum. Schönes Musical, top Cast, was will man mehr?

Und noch ein kleines Detail freut den Besucher: Nach den etwas gar hochgegegriffenen Getränkepreisen im Vorjahr hat man reagiert. Ein Beispiel: das große Pausenbier im Westernflair-Gastrobereich ist heuer billiger als das kleine im Jahr zuvor.

 

"3 Musketiere"

Musik: Rob und Ferdi Bolland
Buch: André Breedland

Regie: Andreas Gergen
Choreographie: Sabine Arthold
Kostümbild: Gerlinde Höglhammer
Musikalische Leitung: Lior Kretzer

Produzenten: Jérôme Berg und Benedikt Karasek
Intendanz: Marika Lichter

Noch bis Ende Juli immer Donnerstag bis Sonntag im Steinbruch Winzendorf, 12 Kilometer westlich von Wiener Neustadt

Tickets:
02638/203 03
www.musicalsommer-winzendorf.at

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