Köstlich lachen über furchtbare Menschen

In ihrem ersten Solokabarett lässt Ulrike Haidacher eine Party zielsicher aus dem Ruder laufen: sehr gelungen.

Als Teil des Kabarettduos Flüsterzweieck hat Ulrike Haidacher die Verschmelzung perfektioniert: In dessen Dialogen vereinigen sich Liebende oft zu einer synchron wippenden, langvokalige Süßlichkeiten von sich gebenden Masse. Auch allein versteht es Haidacher, ein Paar zu spielen, von dem man nicht recht weiß, wer die bessere Hälfte ist: Die Frau erzählt, wie empathisch sie und ihr Mann doch sind, weil sie die neuen Nachbarn, Flüchtlinge aus Syrien oder so, zu ihrem Adventtreff geladen haben. Die Nachbarn haben auch irgendwas aus ihrer Kultur, ein Curry oder so, mitgebracht! Der Mann vervollständigt ihre Sätze mit eifrigem Nicken. So eine nette Geste! Gegessen haben die beiden das Zeug natürlich nicht: „Da weiß man ja nicht, was da drin ist!“

In ihrem ersten Soloprogramm „Aus Liebe“ schlüpft Haidacher mühelos in viele Figuren und lässt aus jeder das Schlechteste hervorquellen: Da gibt es den Regisseur, der Frauen „liebt“ – und sie deshalb nicht in seinen Stücken mitspielen lässt. Die trinkfreudige Verena, die gern betont, dass sie eine „sehr starke Persönlichkeit“ ist. Klug konstruiert, mit treffsicherer Mimik und viel Gefühl für beiläufige Pointen erzählt Haidacher von einer Party, die zielsicher aus dem Ruder läuft. Es geht um Doppelmoral und Überheblichkeit, um Menschen, die modern sein wollen, aber bitte nur mit Maß, um Nasenbrüche und Rohschinken. Ein köstlich amüsantes Debüt! (kanu)

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