Der exzentrische Kröterich rockt die Bühne

Kritik Neues Kinderstück des Burgtheaters: In "Der Wind in den Weiden" entzücken die meisten Akteure.

Eine unkomplizierte Arena-Atmosphäre, niederschwellig, relativ günstig wohl, aber eben auch ohne großen Burgtheater-Staunen-Effekt. Dafür sind die Schauspieler stets zum Staunen.
Eine unkomplizierte Arena-Atmosphäre, niederschwellig, relativ günstig wohl, aber eben auch ohne großen Burgtheater-Staunen-Effekt. Dafür sind die Schauspieler stets zum Staunen.
Eine unkomplizierte Arena-Atmosphäre, niederschwellig, relativ günstig wohl, aber eben auch ohne großen Burgtheater-Staunen-Effekt. Dafür sind die Schauspieler stets zum Staunen. – (c) Burgtheater Wien

Es klingt doch allzu verlockend, was die freundliche Wasserratte dem schüchternen Maulwurf alles anbietet für ein Picknick: faschierte Spinnenbeine auf Borkenbett, Mousse au Kakerlak. Da wird aus dem schrägsten Nerd noch ein selbstvergessener Teamplayer. So selbstvergessen, dass man das eigene Zuhause sofort, mir nichts, dir nicht eintauscht gegen das Wasserschloss des neuen Freundes. Bis man die erdige Luft der eigenen Tunnel und Kanäle bei einem Spaziergang plötzlich wieder riecht, Pardon, wittert. Dann ist kein Halten mehr. Das sieht netterweise auch der Freund, die Wasserratte, ein.

Ein wenig langsam, ein wenig sehr betulich beginnt das neue Kindertheaterstück des Burgtheaters. Eine unkomplizierte Arena-Atmosphäre, niederschwellig, relativ günstig wohl, aber eben auch ohne großen Burgtheater-Staunen-Effekt. Dafür sind die Schauspieler stets zum Staunen. Sie schaffen eine gelungene, sich bis zu hellem Kinderlachen steigernde Dramatisierung eines der populärsten Kinderromane aller Zeiten, einer der meisterverkauften Romane überhaupt: Von „Der Wind in den Weiden“, 1908 von Kenneth Grahame für seinen Sohn geschrieben, wurden bisher 25 Millionen Exemplare verkauft, es gibt Verfilmungen und Serien, man kann davon ausgehen, dass Kinder dem Stück folgen können, in der Übersetzung von Harry Rowohlt von 2004 hat es auch ordentlich Sprachwitz.

 

Die Menschen haben Riesenköpfe

Wir leben mit in einer Welt von Tieren, die menschliche Eigenschaften haben, die ihre tierischen spiegeln. Das gelingt den Schauspielern Sven Dolinski, Marcus Kiepe, Martin Vischer entzückend als Ratte, Dachs und Maulwurf. Hervorzuheben ist in dem stimmigen Ensemble die sehr elegante Elisabeth Augustin als Pferdedienstmädchen Adelheid. Vor allem aber Simon Jensen als Kröterich, der eigentlichen Hauptperson, um die sich das Stück immer rasanter einzudrehen beginnt. Wie eine menschliche Comicfigur rockt Jensen mit schriller Exzentrik die Bühne.

Diese Nähe zum (digitalen) Zeichentrick prägt die Inszenierung. Den großen Naturzauber schafft das Bühnenbild von Vanessa Eder-Messutat und Regisseur Alexander Wiegold nicht. Es steigert sich aber zu kafkaesken Momenten, wenn die Menschenwelt mit furchterregenden weißen Riesenköpfen ins Spiel kommt (Kostüme: Devi Saha). Das verkraften die Kinder (ab sechs Jahren) durchaus, der Albtraum hat auch bald wieder sein Ende, die Welt der Tiere ist, gemeine Wiesel hin oder her, eine kindliche. Die Autos, deren Geschwindigkeit der crazy Kröterich bis zur Selbstgefährdung verfallen ist (was an Grahames Sohn Alastair denken lässt, der sich als Kind vor Autos, später letal vor einen Zug gelegt hat), sind hier ja doch nur Spielzeugautos.

Nächste Termine: 2., 4., 9., 10., 16. Dezember im Kasino am Schwarzenbergplatz, es gibt noch Karten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2018)

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