Die unheimliche Metamorphose der Königin

Olga Esina beherrscht die laufende Staatsopern-Serie von Tschaikowskys „Schwanensee“ unumschränkt.

Olga Esina in "Schwanensee".
Olga Esina in "Schwanensee".
Olga Esina in "Schwanensee". – APA/HANS PUNZ

Mit den großen Auftritten hapert es bei der Jeans-Generation ein wenig. Wenn der frisch gebackene Erste Solotänzer des Wiener Staatsballetts als Siegfried im „Schwanensee“ das Defilee der heiratswilligen Prinzessinnen abnimmt, tut er's strahlend wie ein junger – na, sagen wir Bundeskanzler. Die Aura des Märchenprinzen muss das Publikum dazudenken, auch wenn Jakob Feyferliks kraftvollen Soli die große Linie zu fehlen scheint, als würde er hie und da kurz innehalten (soweit ihm Rudolf Nurejews überfrachtete Kombinatorik dazu überhaupt Zeit lässt).

Dem sympathischen Brautwerber steht – oder vielmehr schwebt – allerdings die hinreißend gelöste Schwanenkönigin von Olga Esina gegenüber, deren virtuose, ganz aus der Musik entwickelte Charakterzeichnung der fragilen Mädchengestalt bis in die Fingerspitzen elastisch und biegsam wirkt: in den weißen Akten verletzlich, filigran, sensibel; als Odile aber von kalt berechnender Brillanz. So überzeugend gelingt diese – vom suggestiv-bösartigen Rotbart Eno Pecis wirkungsvoll herbeiintrigierte – Charaktermetamorphose nicht oft.

Rundum die eine oder andere Havarie, aber auch ein makelloses Scherzando der kleinen Schwäne und ein elegantes „großes“ Gegenstück dazu. Ein kleiner Unfall der Ungarn im Csárdás, während zum spanischen Tanz das Tambourin den Rhythmus nicht finden wollte – wie überhaupt das Orchester Tschaikowskys Musik einige Dissonanzen zusetzte, aber dank Paul Connelly durchwegs im Einklang mit den Tänzern blieb – was fürs Ballett ja wohl die Hauptsache ist... (sin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2019)

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