„Orlando“: Psychose eines Kriegsmannes

Nicht blumig! Claus Guth inszeniert Händels „Orlando“. Anna Prohaska singt die umschwärmte Angelica, die sich dem Helden entzieht. Warum?

Claus Guth und Anna Prohaska fanden sie in Händels schöner Musik.
Claus Guth und Anna Prohaska fanden sie in Händels schöner Musik.
Claus Guth und Anna Prohaska fanden sie in Händels schöner Musik. – Carolina Frank

Wir haben es mit einem Kriegshelden zu tun, der in der Krise ist“, sagt Regisseur Claus Guth über G. F. Händels „Orlando“: „Der Krieg hat Orlando traumatisiert. Er hat Extremes gesehen und erlebt. Dadurch ist es bei ihm zu einer Normverschiebung gekommen. Seine moralischen Koordinaten sind in der schändlichsten Verwirrung. Die Liebe, so erfährt er, lässt sich nicht so organisieren wie der Krieg. Und noch etwas setzt ihm schwer zu: Er ist von Lügen und Lügnern umgeben. Er kann Sein und Schein nicht mehr auseinanderhalten. Zoroastro prophezeit ihm, dass er neue Heldentaten vollbringen wird. Angelica macht ihm falsche Hoffnungen. Die Oper zeichnet die Psychose eines Menschen.“ Bei Händels „Orlando“ fällt den meisten schöne Musik ein: „Von den blumigen Regieanweisungen darf man sich nicht verleiten lassen“, sagt Guth streng.

("Die Presse-Kulturmagazin", 12.04.2019)

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