„Hin & weg“-Festival: Hinfahren, um weg zu sein

Festival. Eine ganze Kleinstadt als große Bühne: Vom 9. bis zum 18. August präsentiert „Hin & weg“ im Waldviertler Litschau Gegenwartsdramatik in Werkstattatmosphäre.

Theater auch auf dem Bahnhofsgelände: 2018 mit „One to three“ von Theater Kollektief.
Theater auch auf dem Bahnhofsgelände: 2018 mit „One to three“ von Theater Kollektief.
Theater auch auf dem Bahnhofsgelände: 2018 mit „One to three“ von Theater Kollektief. – (c) Widauer

Hin und weg: Das wären wir doch alle gern. Hin und weg vor Staunen, vor Begeisterung. Wenigstens hin und wieder. Und dann das: Volle zehn Tage „Hin & weg“ verspricht ein Theaterfestival, das heuer zum zweiten Mal das Städtchen Litschau im nördlichsten Waldviertel zum Schauspielschauplatz macht. Ja, die ganze Stadt: Denn Austragungsort ist nicht nur das stadteigene Herrenseetheater am idyllischen Fischteich, sondern auch das Feuerwehrhaus und die ehemalige Strickwarenfabrik, das alte Kino oder ein verträumter Stadel am Waldesrand. Und mittendrin und drumherum die Litschauer selbst, die sich in das Geschehen involvieren: als Gastgeber sogenannter Küchenlesungen genauso wie überall dort, wo es sonst Hand anzulegen gilt.

Worum es geht? „Zeitgenössische Theaterunterhaltung“ sagt der Festival-Untertitel. Womit keineswegs nur Jux und Trallala gemeint ist – so viel steht schon seit der Erstausgabe des Festivals im Vorjahr fest. Unterhaltung bedeutet hier vor allem Dialog, Austausch, Auseinandersetzung, Diskussion, und zwar aller mit allen: Autoren mit Schauspielern mit Regisseuren mit Veranstaltern und alle miteinander mit dem Publikum.

„,Hin & weg‘ will Ihnen Geschichten erzählen“, erläutert Festivalgründer und -leiter Zeno Stanek. Handfest, unmittelbar. Und es ist Gegenwartsdramatik, die diese Geschichten erzählen will, von teils arrivierten, teils an den Anfängen stehenden Autoren, präsentiert in ausgefeilten Interpretationen wie in schnell hingeworfenen, doch nicht minder einprägsamen szenischen Lesungen. Dazu und darüber immer wieder das Gespräch. Ein Theaterfestival als große Werkstatt, als Labor, das sich nicht mit fertigen Lösungen bescheidet, sondern auch den Weg dahin zeigt: wochentags in Workshops, an den beiden Wochenenden in oftmals parallel präsentierten Aufführungen unterschiedlichster Werke, die das Publikum schon einmal in Entscheidungsnot bringen können.

 

Erst Theater, spätabends Konzerte

Wem soll man den Vorzug geben? Kommenden Samstag beispielsweise: Felix Mitterers Schlüsseltext aus eigener Kindheit, „Mein Ungeheuer“, in einer Produktion des Zillertaler Steudltenn-Festivals? Oder der Illusionisten-Performance „Das Spiel“ des Philipp Oberlohr, Künstler in Residence der diesjährigen „Hin & weg“-Ausgabe? Einer Autorenlesung von Theodora Bauer oder einem Hörspiel – ja, auch Hörspiele gibt's – von Doron Rabinovici? Für Freunde der Vollständigkeit sei versichert: Vieles lässt sich nachholen, steht mehrfach auf dem Programm. Und wer des späten Abends genug von dem ganzen Theater ums Theater hat, auf den wartet eine von Ernst Molden kuratierte Singer-Songwriter-Konzertreihe, darunter Auftritte von Mira Lu Kovacs und Voodoo Jürgens.


Franzobel und Julian Schutting, Nicholas Ofczarek und Katharina Stemberger, Anne Bennent und Fritz Ostermayer: Sie alle treffen heuer aufeinander an einem Ort, der mit seiner magisch-beschaulichen Atmosphäre auch dem mittlerweile schon so gut wie traditionellen Schrammelklang-Festival, detto von Zeno Stanek erfunden, Jahr für Jahr sein unvergleichlich entspanntes Gepräge gibt. Litschau bedeutet: hinfahren, um weg zu sein. Im Idealfall hin und weg.

Infos: www.hinundweg.jetzt

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2019)

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