„Strudlhofstiege“: Deftiger Sex, fader Melzer

Kritik Theater in der Josefstadt. Regisseur Janusz Kica und Bearbeiter Nicolaus Hagg beluden den zaubrisch schillernden Roman „Die Strudlhofstiege“ mit Doderers Biografie. Das ist zu viel. Die Aufführung hat jedoch Poesie und Humor.

Die Wiener Gesellschaft von gestern und von heute, wie sie leibt und lebt – in Heimito von Doderers „Strudlhofstiege“ in der Josefstadt.
Die Wiener Gesellschaft von gestern und von heute, wie sie leibt und lebt – in Heimito von Doderers „Strudlhofstiege“ in der Josefstadt.
Die Wiener Gesellschaft von gestern und von heute, wie sie leibt und lebt – in Heimito von Doderers „Strudlhofstiege“ in der Josefstadt. – Theater in der Josefstadt/Sepp Gallauer

Heimito von Doderer hatte sadomasochistische Neigungen. Huch! Würde Onkel Donald sagen. In der „Strudlhofstiege“ ist Sex kaum präsent. Was will man von einem Autor, der eine einschlägige Szene mit den Worten beendet: „Wir galoppierten gemeinsam durchs Ziel.“ Das klingt nach einer Nummer, an der eine Frau von heute nicht teilnehmen möchte.

Seit Donnerstagabend ist „Die Strudlhofstiege“ in einer neuen szenischen Fassung von Nicolaus Hagg im Theater in der Josefstadt zu sehen. Paare bespringen einander, wälzen sich auf dem Boden und auf Sofas, schlecken einander die Gesichter ab. Das wirkt alles ein wenig peinlich, aber keine Angst: Janusz Kica, Direktor Herbert Föttingers Mann fürs klassisch Edle, hat inszeniert, daher gibt es auch Poesie und Humor.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2019)

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