Rollenbilder: Yan Tax

Der begehrte Kostümbildner Yan Tax stattet derzeit viele Wiener Produktionen aus. Da kann es schon passieren, dass man auf der Bühne besser aussieht als privat.

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Er habe nicht viel über seine Arbeit zu
sagen, meint Yan Tax, Holländer und einer der begehrtesten Kostümbildner weltweit. Seine Arbeit – das sind Kostümentwürfe für TV-Serien, Film, Oper, Theater und Musical, die ihm zahlreiche Preise eingebracht haben. Daneben Nominierungen für den Tony Award für „Cyrano, das Musical“ und den Deutschen Filmpreis für Paul Verhoevens Film „Black Book“. In Wien hat er zuletzt das Musical „Ich war noch niemals in New York“ und die Oper „Ariadne auf Naxos“ ausgestattet. In Kürze sind seine Entwürfe im „Don Giovanni“ an der Wiener Staatsoper zu sehen. Es gibt also durchaus etwas zu erzählen.

Sie haben Modedesign in Holland studiert. Wie sind Sie zum Kostüm gekommen?
Ich hatte eine Anstellung in Brüssel und die Kleidung, die dort gemacht wurde, war ohnehin ziemlich theatralisch. Das war Ende der 70er-Jahre. Und dann kam schon der erste Regisseur, der gefragt hat, ob ich nicht Kostüme machen möchte. Das war der Augenblick, in dem ich mich entscheiden musste. Ich habe mich Gott sei Dank für Kostüm entschieden und das nie bereut.

Yan Tax: Begehrte Kostümbilder



Einige Kostümbildner scheinen eher Stylisten zu sein als Designer, die selbst entwerfen. Wie arbeiten Sie?
Ich mache beides, das hängt von der Produktion ab. Ich sehe das auch nicht so negativ wie viele Kollegen. Ein guter Stylist zu sein, ist sehr schwierig. Für einen Film oder ein modernes Stück kaufe ich auch Sachen ein. Der Prozess ist bei mir vielleicht ein anderer, es gibt immer zuerst einen Entwurf. Und wenn irgend möglich, lasse ich die Sachen anfertigen.

Was inspiriert Sie beim Entwerfen?
Mein Beruf ist ein dienender Beruf. Das ist ganz wichtig für mich. Ich diene der Produktion, diene dem Regisseur. Er ist es, der am Anfang die Richtung vorgibt und damit fange ich an. Es gibt Kollegen, die können später genau sagen, was ihre Motivation, das Konzept war. Bei mir ist das eine sehr emotionale Sache und ich kann meist nicht sagen, warum ich diese Farbe oder jenen Stoff nehme. Ich bin kein Freund vieler Worte, das ist manchmal schwierig. Es gibt Regisseure, die unheimlich lang und viel über Kostüme reden wollen. Da kriege ich totale Panik. Ich habe nicht so viel zu sagen über meine Arbeit. Es ist, was es ist.

Sie arbeiten für Film und Fernsehen, aber auch für Oper, Theater und Musical. Welche Unterschiede gibt es?
Meine Art von Arbeit ist, ob Musical, Oper, Ballett oder Schauspiel, die gleiche. Es geht darum, der Produktion zu helfen, den Darstellern etwas zu geben, das sie beim Spielprozess unterstützt. Beim Film ist das etwas anders. Das ist ein viel schnelleres Medium, man kann nichts mehr ändern, wenn es einmal aufgenommen ist. Dazu kommt, dass die Kamera sehr nah an die Personen
herangeht, also muss man sehr detailliert arbeiten.
Obwohl ich das eigentlich auch im Theater so mache.

Es gibt nie versteckte Klettverschlüsse?

Nein, keine versteckten Überraschungen. Die gibt es bei mir gar nicht. Ich mag Details sehr und glaube auch, dass es einem Darsteller in seiner Rolle hilft. Der sieht sein Kostüm ja von ganz nah und erkennt jede Einfassung. Ich höre das oft, ob von Produzenten oder Werkstätten: Ja, aber das sieht man doch gar nicht! Das ist das Schlimmste, was man mir sagen kann. Wenn ich es sehe, können es andere auch sehen.

Auf Ihren Entwürfen sind sehr detaillierte Angaben zu Schmuck, Maske und Perücken zu finden. Ist ein Kostüm immer ein Gesamtkunstwerk?
Ja, das wird auch verlangt, vor allem in der Oper. Bei Musicals gibt es Masken- und Perückendesigner, aber in der Oper ist man für alles allein verantwortlich. Für mich ist das gut, weil ich es ohnehin als Gesamtbild betrachte. Wenn ich entwerfe, sehe ich immer auch den Kopf dazu. Oft kenne ich allerdings die Darsteller vorher noch nicht sehr gut, dann ist es schon eine Überraschung, weil man einen anderen Kopf und Körper in seiner Vorstellung hat als das, was man bei der ersten Probe sieht.

Sie haben gerade den „Don Giovanni“ an der Staatsoper ausgestattet. Welche Herausforderungen gab es dabei?

Es war das erste Mal, dass ich für die Staatsoper gearbeitet habe und ich war schon ziemlich aufgeregt und fand es ein bisschen beängstigend. Alles ist so riesig und wichtig. Fast wie an der Hochschule, wenn man das so sagen kann. Es gibt ein unfassbar hohes Niveau. Das ist bisher meine generelle Erfahrung in Österreich: Das
Niveau ist unglaublich.

Sind Sie sehr selbstkritisch?

Ja, das ist schrecklich. Und es wird schlimmer und schlimmer. Ich habe immer gehofft, dass es mit dem Älterwerden besser wird, aber im Gegenteil. Ich schmeiße sehr viel weg, bevor ich denke, das könnte es sein. Im Kopf brauche ich sicher 200 Entwürfe, bevor etwas dabei herauskommt.

Und machen Ihre Kleider dann auch Leute?

Absolut. Und das ist auch das Aufregende an meiner Arbeit. Oft sehen Leute in einem guten Kostüm besser aus, als sie privat je aussehen würden. Und so soll es sein. Das ist der Zweck. Auch wenn gut natürlich nicht unbedingt schön bedeutet.

TIPP

Don Giovanni Premiere, 11. 12., Staatsoper Wien www.staatsoper.at
Ausstellung: Verkleiden – Verwandeln – Verführen, Theatermuseum Wien, bis 31. 10. 2011 www.khm.at

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