Susanne Pöchacker: Mit der Ökumene zur Ökonomie

Die Physikerin Susanne Pöchacker zeigt in ihrem neuen Kabarettprogramm „Sie werden dran glauben müssen“ den heiligen Weg aus der Wirtschaftskrise. Und sie tut es schnell, figurenreich und glaubensstark.

Susanne Poechacker
Susanne Poechacker
Susanne Pöchacker: Durch die Ökumene zur Ökonomie – Susanne Pöchacker

Als gute Minna von Dingsdorf steht sie vor einem Notenständer, links von ihr eine schwarze Tasche - die sieht voll aus - rechts von ihr nichts. Was kommt, ist ein dichtes Programm. Das kleine Bühnenbild wird durch die Artenvielfalt von Susanne Pöchackers Rollen aufgefüllt. Hat sie uns in ihrem ersten Programm noch als Grete Rakete von Neurosen und stürmischen Darmwinden befreit, steht sie im Folgeprogramm als euphorische Hermine Pichler vor uns und erklärt in ihrer gewohnt abgehackten Sprache, warum es sich nicht lohnt, über Glaubensbekenntnisse zu streiten. In der „Zentrale“ sind nämlich alle gleich ...

Mit jedem Blackout wechselt Pöchacker die Figur, versetzt sich in sie von der Zehe bis zur Braue. Jede ihrer Damen bringt eine Geschichte, einen Glauben und eine eigene Haltung mit. Die Kynotheologin glaubt an den Hund. Die Physiklehrerin glaubt an die Schwerkraft. Die Auswahlphobikerin Valerie glaubt nicht an Starbucks, weil 256 Möglichkeiten, einen Frappuccino zu bestellen, einfach zu viel sind, darum wird sie wieder katholisch, wie ihre Eltern. Die Wirtschaftsfrau glaubt an die Rendite und betet mit dem Publikum ein „Hedge Fond unser!“. Aus der Tasche tauchen noch Tante Helga und Gatte Kurt auf, sie eine Pfanne, er ein Teddy Bär, beide glauben an die Reinkarnations-Reklamationsstelle in der „Zentrale“. 

Im Himmel mit Clooney

Hauptfrau im Rollenspiel ist Hermine, die Postbeamtin und Frau des Bürgermeisters, ihres Erwins. Sie hat eine Vision mit George Clooney, er führt sie durchs Himmelstor, in die „Zentrale“, dort gibt es Nespresso-Kaffee - „what else?“ - und keine Unterschiede zwischen den Religionen. Danach weiß sie, wie man ihr Dorf vor dem wirtschaftlichen Kollaps retten kann, ein „One-Stop-Shop für alle Glaubensrichtungen" muss her, mit günstigen Tarifen im Fall eines  „Betreiberwechsels“ und Sünden-Rabatten. "Durch die Ökumene zur Ökonomie", sagt sie gern, die Hermine.

Dem Publikum gönnt die Niederösterreicherin und gelernte Physikerin Susanne Pöchacker dabei keine Möglichkeit zum Träumen und Driften, vom ersten Meeting mit George Clooney bis zum finalen Gespräch mit den Vätern aller Weltreligionen, führt sie durch ein heiteres Konglomerat an Glaubenssätzen ohne diese zu geißeln. Buddha, Allah, Nespresso - am Ende steht doch ein irdisches Problem: Was in Dingsdorf nämlich wirklich fehlt ist ein Kreisverkehr.

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