Salzburger Festspiele: Protest und "Gegenrede"

Aktivisten der "Plattform Zivilgesellschaft" und der Salzburger Grünen verteilten jene Rede, die Globalisierungskritiker Jean Ziegler hätte halten sollen.

Salzburger Festspiele: Protest und
Salzburger Festspiele: Protest und
(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Noch vor der Eröffnung der 91. Salzburger Festspiele hatten Aktivisten der "Plattform Zivilgesellschaft" und der Salzburger Grünen ihren Auftritt. Sie verteilten am Mittwoch Vormittag an Festspiel- und Zaungäste vor den Festspielhäusern in der Hofstallgasse eine 16-seitige Broschüre mit dem Titel "Aufstand des Gewissens". Der Inhalt: Die nicht gehaltene Rede von Jean Ziegler. Der Schweizer Globalisierungskritiker hätte ursprünglich die diesjährige Festrede in der Felsenreitschule halten sollten, wurde aber wieder ausgeladen. Stattdessen hielt der deutsche Bürgerrechtler Joachim Gauck die Festrede.

Die Salzburger Landeshauptfrau hatte befürchtet, dass Zieglers angebliche Nähe zu Libyens Diktator Gaddafi mehr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen könnte als die Rede selbst.

"Ziegler hätte in seiner Rede den Welthunger thematisiert. Er wollte in Salzburg gerade diese Leute treffen, die verantwortlich für das Elend dieser Welt sind", sagte eine Aktivistin. Die Aktivisten wollen am Mittwoch insgesamt 3. 3.000 Exemplare der "Gegenrede" verteilen. Nach dem Festakt in der Felsenreitschule wurde dann auch die offizielle Festrede von Joachim Gauck in gedruckter Form von Mitarbeitern der Festspiele verteilt.

Grüne: Rede wäre wichtiger Appell gewesen

Für den Grünen Landesabgeordneten Cyriak Schwaighofer wäre Zieglers Rede "ein wichtiger Appell, der möglichst viele Menschen erreichen sollte". Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren, schrieb Ziegler. Dass das World-Food-Programm im Jahr 2008 noch sechs Milliarden Dollar für Soforthilfe zur Verfügung hatte und im Jahr 2011 nur noch 2,8 Milliarden, liegt für Ziegler unter anderem darin begründet: "Weil die reichen Geberländer - insbesondere die EU-Staaten, die USA, Kanada und Australien - viele Tausend Milliarden Euro und Dollars ihren einheimischen Bank-Halunken bezahlen mussten: zur Wiederbelebung des Interbanken-Kredits zur Rettung der Spekulations-Banditen. Für die humanitäre Soforthilfe (und die reguläre Entwicklungshilfe) blieb und bleibt praktisch kein Geld."

Auch der eine oder andere Festspielbesucher hätte wohl auch mit dieser Passage Zieglers keine Freude gehabt, ergänzten die Grünen: "Viele der Schönen und der Reichen, der Großbankiers und der Konzern-Mogule dieser Welt kommen in Salzburg zusammen. Sie sind die Verursacher und die Herren dieser kannibalischen Weltordnung."

Jean Ziegler wurde nach seiner Ausladung von einer Plattform aus Kulturinitiativen und Friedensbewegungen zu einer alternativen Gegenveranstaltung nach Salzburg eingeladen. Diese hätte am Tag der Festspieleröffnung stattfinden sollen. Ziegler sagte ab. Als Grund gab er mögliche Terminschwierigkeiten an.

Seine Rede veröffentlichte er auch auf YouTube:

Jean Zieglers Rede – Teil eins

Jean Zieglers Rede – Teil zwei

(APA)

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