Kammerspiele: Blondinenwitze auf Spielplatzniveau

Réjane Desvignes' Komödie „Jackpot“, von Igor Bauersima in den Kammerspielen uraufgeführt, ist eine Zumutung an seichter Fadesse. Schade um die vier Darstellerinnen, die brav ihre überzeichneten Parts spielen.

(c) APA

Nach einer Stunde, bereits im Finale von „Jackpot“ am Donnerstag in den Kammerspielen, zeigte ein Premierenbesucher seinen Unmut und sagte weithin hörbar in die Stille hinein: „A so a S****!“ Dafür gab es ebenso starkes Gelächter wie für vereinzelte Szenen der Brachialkomik zuvor – zu Recht, denn dieses Kammerspiel der Genfer Autorin Réjane Desvignes, das von Igor Bauersima für seine Inszenierung ins Deutsche übersetzt wurde, ist an Seichtheit, die bald in Langeweile mündet, kaum zu überbieten. Schade um die vier Darstellerinnen, die brav ihre überzeichneten Parts spielen. Von ihnen ist man in der Josefstadt ein viel höheres Niveau gewöhnt.

Die Handlung: Drei Freundinnen treffen sich im Park beim Kinderspielplatz. Ella (Hilde Dalik) ist die kinderlose, dumme Blondine, die ganz nach Klischee nichts begreift und vom Märchenprinzen träumt – dem TV-Star Zack, der sich eben scheiden ließ. Nathalie (Alexandra Krismer) ist die zynische TV-Moderatorin mit verhaltensgestörtem Balg, Inés (Sona MacDonald) der mütterliche Typ. Sie erwartet eben wieder Nachwuchs. Alle drei haben es mit dem Eismann Jack getrieben – man kann es gleich verraten, weil es leicht durchschaubar, trotzdem umständlich dargeboten und bis zur Erschöpfung ausdiskutiert wird. Aus diesen Affären entwickeln sich kindische Aktionen, nach dem Motto: Aus falschen Freundinnen werden echte Kampfhennen.

Blasensprung samt Geburt

Weil das aber noch keine pausenfüllende Handlung ist, muss Klischee-Frau Nummer vier her: Atomphysikerin Vivi (Silvia Meisterle), die ihr Baby zum Aufpassen bei den Zicken lässt. Sie muss zum Zahnarzt – eine Gelegenheit fürs Stöbern der anderen in fremden Briefen, Entdecken weiterer Affären und scheinbare Kindesentführungen aus Rache! Das spätpubertäre Verhalten zieht sich auch nach der Rückkehr der Mutter dahin. Jetzt gibt es Behindertenscherze bis zum Abwinken und sogar einen lustigen Blasensprung samt Geburt. Ein Mädchen! Es ist bemerkenswert, wie lange knapp 90 Minuten subjektiv sein können. Am Schluss wird nicht mehr outriert, sondern die Auflösung referiert. Der begehrte Zack und der geile Jack nahen. Sie haben alles mitgekriegt. Und die typische Blondine bekommt, was sie verdient. norb

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