"Hamlet" im Off-Theater: Und Cut!

William Shakespeare hat mit seinem "Hamlet" ganz schön was vorgelegt. Das merkt man auch im Off-Theater, wo das Stück unter technischen Spielereien leidet.

Hamlet OffTheater
Hamlet OffTheater
(c) Ensemble08

Die Idee ist so verführerisch wie tückisch: Das Off-Theater verlegt William Shakespeares "Hamlet" vom Königshofe in einen Familienbetrieb. Das liegt in wirtschaftlich turbulenten Zeiten nahe, doch schon der Name für die Firma mit Sitz in Helsingør hätte geschmackssicherer ausfallen können: Sie trägt den in Zeiten innenpolitischer Verbalausfälle unglücklichen Namen "Hamlet Corporation" - kurz HC. Die Modernisierung zeigt sich indes vor allem im Mediengebrauch: Der ermordete König erscheint Hamlet via Beamer, mit Ophelia tauscht der Dänenprinz SMS aus und Horatio (Philipp Stix) tut sich als Amateurfilmer hervor.

Der technische Schnickschnack ermüdet mit der Zeit, spätestens nach der Pause hätte man sich weniger auf Medien und mehr auf den Text konzentrieren sollen. Denn je weiter der Abend (immerhin drei Stunden dauert die Inszenierung von Benjamin Plautz) fortschreitet, desto deutlicher tritt ein Umstand hervor: "Hamlet" ist ein unglaublich anspruchsvolles Stück, das dem Ensemble08 in den dialogischen Passagen mehr, in den monologischen weniger gelingt.

Wenn der Prinz (akustisch teils schwer verständlich: Markus Schöttl) mit seiner Ophelia (überzeugend mädchenhaft: Martina Ebm) flirtet und spielt, mit Polonius (komödienhaft: Kajetan Dick) seine Scherze treibt: Hier liegen die starken Momente. Gelungener Einfall: Rosenkranz und Güldenstern in Personalunion als abgelegte Geliebte (Christina Scherrer). Das funktioniert erstaunlich gut. Dass Horatio das finale Sterben mit der Handkamera a la "Blair Witch Project" mitfilmt, hätte man sich hingegen sparen können. Die Mordgeschichte ist auch so schaurig genug.

"Hamlet", Off-Theater, Kirchengasse 41, 1070 Wien
Termine: 4., 5., 10., 11., 17., 18. Februar, 18., 22., 29., 30. März 2012
Beginn je 19:30

www.off-theater.at

 

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