"Janus": Ein kurzes Lob

Ja, so kann Serie im ORF aussehen. Mehr davon.

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Wir loben an dieser Stelle gerne US-Serien, heute ist einmal eine vom ORF dran: "Janus", die neue Serie am Dienstag in ORF eins. Alexander Pschill spielt den Familienvater und Psychologen Leo Benedikt, Franziska Weisz die Bezirksinspektorin Cara Horvath. Gemeinsam lösen sie Verbrechen, für einen Spannungsbogen über die gesamte Serie sorgt eine rätselhafte Pille, die Schizophrenie heilen soll. In deren Entwicklung ist wiederum Benedikts blutleere Ehefrau (Barbara Romaner) verstrickt, die für das titelgebende Pharmaunternehmen arbeitet.

Der Siebenteiler ist erstaunlich hart: In Folge zwei entlarvt der gute Doktor eine Siebenjährige als Psychopathin. Die von der rätselhaften Pille geschädigten Patienten (davon sehen wir nur Fotos) haben reihenweise Selbstmord begangen, indem sie ihren Kopf tödlich lange und heftig gegen die Wand schlagen. Der Ausstrahlungstermin um 21:05 Uhr geht also durchaus in Ordnung.

Mit der Figur der harten, distanzierten Horvath springt der ORF übrigens auf einen internationalen Trend auf. Menschen mit schwierigem sozialen Verhaltensweisen bis hin zu Soziopathie haben im Fernsehen Hochkonjunktur: Von Dr House über Sherlock (die BBC-Serie) bis - ganz aktuell - Diane Kruger in der US-Remake "The Bridge", deren Figur das Asperger Syndrom hat.

Auch Benedikt ist nicht gerade die Sorte Figur, die man auf Anhieb sympathisch findet: So nett und introvertiert er wirkt, ist er doch im doppelten Wortsinn unheimlich gut darin, sich in psychisch Kranke hineinzuversetzen und, wie der "Mentalist", in anderen Menschen zu "lesen". Ein wenig Lockerheit und Humor bringt die Romanze zwischen Staatsanwalt Konstantin Fink (Andreas Kiendl) und Benedikts Assistentin Miriam Karner (Barbara Kaudelka) in das Format.

Schön, dass man nicht (jedenfalls nicht gleich zu Beginn) auf die sexuelle Spannung zwischen dem Mann und der Frau des Hauptduos Benedikt/Horvath setzt. Das hat man seit "Akte X" einmal zu oft gesehen.

"Janus" ist geschickt darin, ein wenig zu verraten und viel zu verschweigen. Das funktioniert, wie die etablierte Struktur aus einem Fall pro Folge und dem Staffelrätsel. Ich will mehr wissen über diesen klugen und irgendwie hilflosen Psychologen und die Kindheitstraumata der schlagkräftigen Inspektorin.

Heute steht aber ein anderer Krimi auf dem Programm: Das österreichische Fußball-Nationalteam gegen die Insel-Hobbykicker von Färöer. Ein Angstgegner sozusagen. Aber "Janus" wird nachgeholt. Der TVthek sei Dank.

"Janus", (7 Folgen), Dienstag, 21.05 Uhr in ORF eins.

Auch auf DVD erschienen

Franziska Weisz und Alexander Pschill in ''Janus''
Franziska Weisz und Alexander Pschill in ''Janus''
Franziska Weisz und Alexander Pschill in ''Janus'' – (c) ORF (Petro Domenigg)
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