Déjà-vu im Sitcom-Wohnzimmer

In "Kevin can wait" spielt sich Kevin James wieder selbst: Den herzensguten Couch Potatoe mit viel Hunger. Einen Schwiegervater gibts diesmal nicht, dafür hat er drei Kinder. In Staffel zwei stößt seine "King of Queens"-Partnerin Leah Remini dazu. Kann man anschauen, muss man nicht.

Erinn Hayes und Kevin James spielen das Paar in
Schließen
Erinn Hayes und Kevin James spielen das Paar in

Kevin James ist wieder König in irgendeinem Fernseh-Wohnzimmer. Sprich: Er ist zurück mit einer Sitcom, die derjenigen, mit der er berühmt wurde, irritierend ähnelt. Wir erinnern uns: "King of Queens", die Endlos-Serie der Nuller-Jahre über das ungleiche Paar aus dem gleichnamigen New Yorker Stadtteil, das mit ihrem Vater, seinem Schwiegervater Arthur (großartig: Jerry Stiller, der Vater von Ben Stiller) unter einem Dach lebte.

Beim Scrollen durch das Angebot von Amazon Prime bin ich also kürzlich über "Kevin can wait" gestolpert und hängen geblieben, weil ich, obwohl sonst eher Comedy-Muffel, etwas für Kevin James übrig habe. Die erste Staffel (mit 24 Folgen) ist ein Jahr alt, am 25. September beginnt die zweite. Manchmal muss man sich tatsächlich die Augen reiben, weil man sich zurück bei "King of Queens" wähnt. Das beginnt schon mit dem Sitcom-Wohnzimmer, das fast ident aussieht, inklusive hölzener Durchreiche zur Küche, die allerdings nicht rechts, sondern links vom Sofa liegt (aus Zuseherperspektive). Und natürlich, der wichtigste Unterschied: Hier lebt nicht die Familie Heffernan, sondern die Familie Gable, ebenso Vertreter der unteren Mittelschicht mit kleinem Einfamilienhaus in Long Island, New York, einem Auto und etwas Alltagskomfort. Reisen nach Europa oder sonst wohin sind aber nicht im Haushaltsbudget drin. Kevin und Donna (gespielt von Erinn Hayes) sind seit gut 20 Jahren ein Paar und haben drei Kinder: die 21-jährige Kendra, die Teenagerin Mary-Charles und James im Volksschulalter.

Polizist im Ruhestand

Auch in dieser Serie trägt der Familienvater beruflich Uniform. Oder trug. Kevin Gable ist nämlich soeben vom Polizeidienst in Ruhestand gegangen (was seltsamer- und ärgerlicherweise nicht erklärt wird) und zu Beginn plagen ihn keine existenziellen Sorgen. Er bleibt entspannt zu Hause und genießt mit seinen drei ebenfalls (früh)pensionierten Ex-Kollegen Goody, Duffy und Mott das süße Nichtstun. Darauf spielt auch der Titel der Serie an. Erst im Laufe der Staffel beginnt sich Kevin nach einer neuen Beschäftigung umzusehen und nimmt immer wieder kleinere Jobs an. Ein alter Bekannter taucht auch wieder auf: Gary Valentine, der reale Bruder von Kevin James spielt - erraten! - den Serien-Bruder von Kevin Gable.

Der echte Bruder, Gary Valentine, links, spielt in der Serie Kevins Bruder.
Schließen
Der echte Bruder, Gary Valentine, links, spielt in der Serie Kevins Bruder.
Der echte Bruder, Gary Valentine, links, spielt in der Serie Kevins Bruder. – CBS

Ehefrau Donna sieht nicht nur ein bisschen aus wie Kevin James' frühere Serienpartnerin Leah Remini, sie wird in Staffel zwei sogar von dieser ersetzt. Remini wird zwar nicht die neue Frau an Kevin Gables Seite, aber sie bekommt eine ebenso tragende Rolle als seine ehemalige Polizisten-Kollegin, die ihn dazu bringen könnte, wieder in den Dienst zurückzukehren.

Und, lohnt es sich, mit "Kevin can wait" anzufangen? Jein. Wer schon "King of Queens" mochte, wird nicht enttäuscht werden. Wer subtilen Humor und spannende Dialoge erwartet, schon eher. Das hier ist bequeme Unterhaltung, so einfach wie ein Burger oder eine fette Pizza von Enzo's, der Stamm-Kneipe von Kevin und seinen Freunden. Es geht schnell (20 Minuten pro Folge), nicht in die Tiefe, sättigt schnell, aber nicht nachhaltig. Vieles kennt man: Die familiären Beziehungen der Gables sind von einer gegenseitigen Liebe getragen, die durch fast nichts getrübt werden kann. Der Subtext der Serie lautet: "Gemeinsam sind wir stark." Auch die Beziehung zwischen Kevin und Donna ist - wie eben schon bei Doug und Carrie - von einem grundsätzlichen Einverständnis getragen, das auch durch kleine Alltagskontroversen nicht erheblich getrübt werden kann. Die Ehepartner kennen und lieben die Schwächen des anderen und sie sind gut darin, sich gegen andere, zur Not auch die eigenen Kinder oder die Nachbarn zu verbünden.

Kevin Gable ist der stets hungrige, liebenswürdige Tollpatsch mit einem großen Herz für sich und andere. Er ist ein bisschen eitel und angeberisch und er will immer gelobt und -liebt werden, von den Kolleginnen im Buchklub seiner Frau ebenso wie von seinem Ex-Polizeikollegen. Wenn er jemanden nicht mag, kann er das schlecht verbergen. Auch nicht, wenn es sich dabei um den Verlobten seiner ältesten Tochter handelt, der bei ihnen in der Garage leben darf, während er an seiner App bastelt. Dass der schmächtige junge Mann mit Brille, starkem britischem Akzent und einem natürlichen Desinteresse für jegliche Sportarten nicht sein bester Freund wird, liegt auf der Hand. Serien wie diese leben von diesem Schwarz-Weiß-Schema. Papa trinkt Bier und liebt Football, der zukünftige Schwiegersohn trägt Brille und ist ein IT-Auskenner. Das darf nicht zusammen passen.

Was man Kevin James aber zu Gute halten kann: Er versteht etwas von diesem einen Charakter, den er da zum wiederholten Male inbrünstig verkörpert. Dem beim durchs Leben stolpern zuzuschauen macht meist fröhlich. Guter Stoff für Sofanachmittage im Krankenstand. Nicht mehr, nicht weniger.

Kommentar zu Artikel:

Déjà-vu im Sitcom-Wohnzimmer

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.