Grüne verhindern "Hinichen"-Auftritt: Stadtrat gegen Zensur

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny hätte das Konzert der Wiener Band „Die Hinichen“ nicht abgesagt. Der grüne Kultursprecher Klaus Werner-Lobo will jetzt strengere Förderrichtlinien.

Archivbild: Mailath-Pokorny
Archivbild: Mailath-Pokorny
Archivbild: Mailath-Pokorny – APA/HERBERT NEUBAUER

Wien/Win. Sie singen von Lesben, die sie vor sich hertreiben, und „Fotzen“, die verdroschen gehörten. Gemeint ist die Wiener Band, „Die Hinichen“, deren Konzert der grüne Kultursprecher Klaus Werner-Lobo am Samstag im Gasometer aufgrund „rassistischer und sexistischer“ Inhalte hat absagen lassen. Das hat für Empörung gesorgt. Auf Nachfrage der „Presse“ distanziert sich auch Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) von der Intervention.

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Der Kulturstadtrat fände „Die Hinichen“ zwar auch nicht in Ordnung. Fakt sei aber, „dass man nicht eingreifen dürfte, solange jemand nicht gegen das Gesetz verstößt“, heißt es aus seinem Büro. Mailath-Pokorny stand selbst nicht für ein Gespräch zur Verfügung. Ähnliche Interventionen hätte es bisher nicht gegeben.

Sind Absprachen „normal“?

Das steht im Gegensatz zu den Aussagen Werner-Lobos, der sein Eingreifen mit einer mündlichen Absprache erklärt, die er sowie zwei SPÖ-Politiker gemeinsam mit Muff Sopper, dem Geschäftsführer von Szene Wien und Planet Music vor gut zwei Jahren getroffen haben. „Damals haben wir gesagt, dass wir Subventionsgeldern nur dann zustimmen, wenn die beiden Einrichtungen weniger kommerziell werden und grobe sexistische und rassistische Bands nicht mehr spielen lassen.“ Zur Erinnerung: Schon 2008 gab es Proteste gegen den Auftritt des schwulenfeindlichen Jamaikaners „Sizzla Kalonji“ im Planet Music.

Absprachen, sagt Werner-Lobo, fänden in der Kultur immer wieder statt. Man kläre das grobe kulturpolitische Leitbild ab, bevor eine Institution gefördert werde. Da die derzeitigen Förderrichtlinien eher vage formuliert sind, überlegt er jetzt „nachzuschärfen“. Auch wenn er weiß, dass er sich auf einem „schmalen Grat“ bewegt. Zensur, wie sie ihm vorgeworfen wird, wolle er nämlich nicht. Gespräche mit der MA7 soll es jedenfalls schon geben. Das Stadtratbüro dementiert das.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2012)

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