"Auf einmal war ich der Herr Max"

Kurt Hauenstein, als "Supermax" Schöpfer des Disco-Klassikers "Lovemachine", wird am Freitag mit einem"Amadeus" der Musikindustrie geehrt. Der "Presse"erzählte er von Haaren, Tönen und Geld.

(c) Universal

Die Presse: Wie bist du auf die Idee gekommen, Musiker zu werden?

Kurt Hauenstein: Das war naheliegend, weil mein Vater Wienerlieder-Komponist war.

 

Seit wann hast du deine legendären „Federn“?

Hauenstein: Die hab' ich schon immer, also, seit ich 16 war. Damals war es ja ein irrsinniges Problem, wenn die Haare nur die Ohren berührt haben! Ich war Juwelierlehrling. Das Erste, was mir der Meister gesagt hat: „Da hast 20 Schilling, Burli, geh' zum Friseur! Ich hab' mich ins Taxi gesetzt, bin zur Innung gefahren und hab' gefragt, ob das ein Kündigungsgrund ist. War's nicht. Bin ich wieder zurück. Da hat der Meister eine Freud' g'habt: Die langen Haar' waren noch da und seine 20 Schilling weg...

 

Warum bist du nach Frankfurt gegangen?

Hauenstein: Es war in Wien nix mehr zu erreichen. In den Studios hatte ich schon alles gespielt, Ambros, Heller, Gypsy Love. Ins Rundfunkorchester wollte keiner von uns. Der Peter Wolf und der Charly Ratzer sind nach Amerika, ich halt nach Frankfurt. Da hab ich geschaut, wo das beste Studio ist. Dort hab' ich dann g'sagt: „Ich bin aus Wien, ich spiel' ein Mal umsonst; wenn's euch g'fallt, dann nehmt's mich.“ Es hat ihnen 'taugt, und ich hab' dann mit dem Frank Farian zirka tausend Hits eingespielt. Wir hatten den Ruf als „First-Take-Spieler“. Das war ein Faktor, weil die Studiozeit damals immens teuer war.

 

Hast du als Bassist ein Vorbild in der afroamerikanischen Musik gehabt?

Hauenstein: Nein, aber ein Schlüsselerlebnis. Wie ich noch mit dem Ratzer-Charly g'spielt hab', hab' ich mir eingebildet, ich muss 17.000 Anschläge pro Sekunde spielen. Dann hab' ich eine Band gesehen mit einem 150-Kilo-Wastel als Bassisten, der hat mit drei Tönen gegroovt wie ein Teufel. Da hab' ich nachgedacht über die Funktion des Bassisten. Er ist das Fundament, hat aber selber keine Lizenz zum Solieren. Ab sofort bin ich auf einem Grundton geblieben, während die Harmonien gewechselt haben. Die Kollegen haben oft g'meint: „Heast, du musst wechseln!“ Und ich hab' gesagt: „Ich bleib' auf dem Ton; der stimmt.“ Niemand hat kapiert, was ich da gemacht hab. „Acht Minuten dasselbe, wo ist das Lied?“, haben's mich g'fragt.

 

Wie hat der Welterfolg von „Lovemachine“ dein Leben verändert?

Hauenstein: Man kennt sich nicht gleich aus. Ich hab' auf den Kontoauszug geschaut und nicht kapiert, was die vielen Nullen sollen. Als ich mit Müh' und Not das Geld verbraten g'habt hab', war schon die nächste Ladung da... Es verändert sich mehr die Umwelt als du selbst. Die Freunde glauben, du g'hörst nimmer dazu. Dann schaust du dorthin, wo die G'stopft'n sind. Da gehörst du aber auch nicht hin.

 

Der Falco hatte ja immense Probleme mit dem Riesenerfolg...

Hauenstein: Aber was! Der hat doch super Geld ausgeben können.

 

Dennoch hat er nicht überlebt.

Hauenstein: Ja, leider. Vielleicht hat er nicht das Umfeld gehabt. Ich hab' immer meine Familie gehabt. Da hab' ich die Tür zugemacht, und eine Ruh' war. Mein Familienleben hab' ich immer unter Verschluss gehalten. Wie ich nach Österreich zurückgekommen bin, haben die Leute behauptet, die Arabella Kiesbauer wäre meine Tochter. Hab' ich g'sagt, das wird sich nicht ausgehen, weil die hat eine deutsche Mutter.

 

Wie kam es zum Namen „Supermax“?

Hauenstein: Ich war total in der schwarzen Szene, und die haben so gern g'sagt: „To the max“. „Max“ für Maximum. Um das zu steigern, hab' ich mir gedacht: Supermax, da geht nix drüber. Auf einmal war ich der Herr Max. Aber in Amerika war der Name cool.

 

Welche Black-Music-Clubs waren das?

Hauenstein: In GI-Clubs hab ich schon in den Sechzigern gespielt. Da hat es Soul-Nights gegeben, nur für Schwarze. Und gemischte Clubabende, da sind die Cowboys vorn und die Schwarzen hinten g'sessen. Die einen haben g'schrien: „Soul!“, die anderen: „Country & Western!“ Dann haben's zu raufen angefangen, und die Militärpolizei ist gekommen und hat alle niederg'haut. Aber der Captain hat g'schrien: „Keep on playing!“

 

Supermax hat 1981 als erste gemischtrassige Band in Südafrika gespielt. Wie war das?

Hauenstein: Wenn Schwarz und Weiß beisammen g'stand'n sind, sind's schon verhaftet worden damals. Strengste Rassentrennung! Und ich komm' da hin mit meiner schwarzen Frau! In Durban haben's auf uns g'schossen. Wir sind in der Tankstelle am Boden gelegen.

 

Wie hat sich das Musikgeschäft verändert?

Hauenstein: Heute ist alles einfacher. Mit den Mitteln, die es heute gibt... Jeder Trottel hat einen Computer daheim und glaubt, er ist ein Künstler. So viel verkannte Genies wie in Wien gibt's nirgendwo. Für die meisten wär's g'scheiter, einen anständigen Beruf zu lernen. Was ist so interessant dran, da oben zu stehen und „blim blim“ zu machen?

ZUR PERSON: Kurt Hauenstein alias „Supermax“

Geboren 1949 in Wien, Juwelierlehre, Studiomusiker in Frankfurt u.a. bei Produzent Frank Farian („Boney M.“). 1977 1. Soloalbum als „Supermax“, „Don't Stop The Music“, gleich darauf „World Of Today“ inkl. dem Disco-Welthit „Lovemachine“. 1979 „Fly With Me“; 1980 „Types Of Skin“ mit „Ganja Generation“. 1983 als erster Weißer zum jamaikanischen Festival Reggae-Splash eingeladen. Produzierte u.a. Chaka Khan, Falco, Bamboo.

April 2008: Best-of-CD und -DVD sowie Reedits und Remixes erscheinen, am 18.4. erhält er den „Amadeus“ für sein Lebenswerk.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2008)

Kommentar zu Artikel:

"Auf einmal war ich der Herr Max"

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen