Chakuza: Gangster-Rap, hier ist die Tür!

"Ich mag schöne Sprache“, sagt der österreichische Musiker Chakuza. Auf seinem neuen Album "Exit" erwähnt er sogar Kafka. Mit der „Presse“ sprach er über Rap, Neid und Alkohol.

Chakuza
Chakuza
(c) Mirjam Wählen

Mitte der 2000er Jahre machte der österreichische Musiker Chakuza in Deutschland Karriere – und zwar mit Gangster-Rap. Sein erstes Solo-Album „City Cobra“ (2007) erschien damals auf dem Plattenlabel des deutschen Rap-Stars Bushido. Nach einer Auszeit wagte Peter Pangerl, so der Name des gebürtigen Linzers, im Vorjahr einen musikalischen Neustart. Auf dem Album „Magnolia“, das in Deutschland und Österreich in den Charts reüssierte, war nichts mehr vom aggressiven Sprechgesang zu hören. Mit seinem neuen Werk geht Chakuza musikalisch einen Schritt weiter. Keine Beats mehr aus der Konserve, dafür arbeitet er mit der Indie-Band In Vallis zusammen. Das Resultat: „Exit“ (auf Four Music/Sony erschienen) ist sein bislang bestes Album.


Die Presse: Für Ihr neues Album "Exit" haben sie sich mit ihrer neuen Band in einem Studio in den Niederlanden eingebunkert. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Chakuza: Max, der Bandleader von In Vallis, war mein Tourmanager. Eines Tages wollte auch hören, was er so macht. Die Musik war richtig gut. Dann ist das Album halt passiert.


Es klingt für mich analoger. Die Arrangements erinnern nicht an typische Hip-Hop-Instrumentals, sondern vielmehr an Indie-Bands wie The National oder The xx. Ist das überhaupt noch Rap?

Es ist Rap auf Indie-Musik. Beides zu vereinen war für uns sehr aufregend.


Wird es nach "Magnolia“ und nun "Exit" einen dritten Teil ihrer "Trilogie" geben?

Es wird hoffentlich noch mehr Teile geben. Ich gehe jedenfalls immer weiter in diese Richtung. Ich möchte weiter Musik machen, auch wenn ich älter bin. Und irgendwann ist das Rap-Ding auch gegessen. Also ich sage, ich habe noch drei Jahre, in denen ich rappen kann. Wenn überhaupt. Ich möchte mir eine eigene Nische schaffen.


Chakuza ist ein martialischer Name und passt zu ihrem Frühwerk, aber nicht mehr zur Gegenwart. Gab es Überlegungen, ein Alter Ego aufzubauen?

Das war mal Thema, aber kam dann doch nicht in Frage. Es würde ja bedeuten, dass ich alles verleugnen würde. Wir werden uns dahin bemühen, die Musik weiter voranzutreiben, dass es vielleicht nur noch In Vallis heißt und Chakuza darin verschwindet. Das wär mir, irgendwann, am liebsten.


Auf dem Album verwenden Sie zum einen Zitate aus dem Trash-Fernsehen (Taras "Regenbogenmaschine" aus der ATV-Reality-Seifenoper "Saturday Night Fever"). Zum anderen erwähnen Sie Kafka. Hat er Ihnen bei ihrer Verwandlung zum seriösen Musiker geholfen?

Ich habe ihn erwähnt, weil ich auch viel lese, und ich mag schöne Sprache. Immer schon, auch wenn ich sie damals nicht verwendet habe. Meine Wandlung habe ich aber selbst herbeigeführt. Ich musste mich verändern, weil ich mit dem, was ich gemacht habe, nicht mehr zufrieden war. Ich habe sehr viel veröffentlicht. Irgendwann habe ich mich gefühlt, als würde ich in der Fabrik arbeiten und stets das Gleiche abliefern. Und natürlich, man wird älter. Da kommen viele Sachen zusammen, warum ich mich im Endeffekt so gewandelt habe.


Und was fasziniert Sie an Trash-TV?

Ich schaue mir diese Sendungen gemeinsam mit meinem Manager an, wenn wir auf Tour sind. Wohl aus niederen Beweggründen. Weil man seltsame Menschen sehen will, die sich seltsam benehmen.


Mit ihrem neuen Stil machen Sie sich nicht nur Freunde. In Internetforen werden sie bereits mit ihrem Label-Kollegen bei Four Music, dem erfolgreichen Rapper Casper, verglichen. Die Kopie-Vorwürfe überspielen sie auf ihrem Facebook-Auftritt gern mit Selbstironie. Ärgern Sie diese Vergleiche?

Das sagen doch nur Leute, die sich nicht wirklich mit Musik beschäftigen. Das sind Leute, die nur an der Oberfläche kratzen. Am Anfang hat es mich schon genervt. Es wurde mir ausgelegt, weil ich eine Wollmütze in einem Video getragen habe. Ja sorry, es war Winter.


Ist es Neid?

Leider ist es im Genre Hip-Hop so, dass keiner dem anderen etwas gönnt. Warum auch immer. Ich weiß auch nicht, welche Komplexe die Menschen haben.


Im Song "Off" erzählen Sie, dass Sie von Kollegen als "Schwuli" bezeichnet werden. Ist Homophobie nach wie vor ein Problem im Rap?

Ja. Es gab eine Zeit, da hat man darüber diskutiert. Und nun heißt es wieder: "Kuck mal, der Schwuli". Kommt, werdet erwachsen!


"Exit" hat sehr schöne Arrangements, ist semantisch aber eine schonungslose Selbstanalyse. Die Texte handeln von Alkoholsucht, Versagen und Einsamkeit. Eigentlich deprimierend.

Ich würde sagen: Es ist melancholisch. Ich kann nur das. Ich kann mit fröhlicher Musik nichts anfangen. Gar nichts.


In einem Video-Interview sagten Sie vor Kurzem, dass Sie Alkohol konsumieren, wenn Sie sich in einem Kreativprozess befinden. Goethe soll ja täglich zwei Liter Wein getrunken haben . . .

Also zwei Liter sind's bei mir nicht. Dann wäre ich zu nichts mehr fähig. Wenn ich im Kreativprozess bin, ist es manchmal leider auch ein Akt der Selbstzerstörung. Es hilft mir, mich zu öffnen. Ich saufe mich ja nicht zu Tode. Aber ein paar Bier sind's schon.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2014)

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