Zagreb: Sänger Perkovic wegen Aufhetzung verklagt

Marko Perkovic wird vorgeworfen, den faschisten Gruß verwendet zu haben. Ein Kärnten wurde im Juni ein Konzert seiner Band "Thompson" abgesagt.

(c) AP (Thompson)

Der kroatische Popsänger Marko Perkovic muss sich wegen Aufhetzung zu Rassendiskriminierung in Zagreb vor Gericht verantworten. Drei kroatische Nichtregierungs-Organisationen haben am Montag Klage gegen Perkovic eingebracht. Anlassfall ist ein Konzert seiner als ultranationalistisch geltenden Band "Thompson" in der kroatischen Hauptstadt am 30. Mai, das rund 60.000 Fans besuchten. Das berichtet die kroatische Nachrichtenagentur Hina.

Die Kläger - eine Vereinigung junger Anti-Faschisten, das jüdische Margel Institut sowie die Gemeinschaft der Serben in Kroatien - werfen dem 42-jährigen Perkovic konkret vor, während des Liedes "Bojna Cavoglave" (Bataillon Cavoglave) den faschistischen Gruß "Za dom spremni" ("Für die Heimat bereit") verwendet zu haben.

Hass geschürt

Dieses Verhalten habe die jüdische, serbische und Roma-Minderheit beleidigt, die während des nazi-treuen Ustascha-Regimes (1941-45) verfolgt worden waren, so die Kläger. Zudem habe "Thompson" unter seinen Fans Hass geschürt, sie hätten Ustascha-Lieder gesungen und Fahnen des faschistischen Regimes gezeigt.

Perkovic hat seinen Spitznamen "Thompson" von der gleichnamigen Maschinenpistole, die im Bürgerkrieg in Kroatien (1991-1995) verwendet wurde. Einige der Liedtexte seiner gleichnamigen Band stammen aus dem Repertoire des faschistischen kroatischen Führerstaates zwischen 1941 und 1945.

Haider lud Perkovic ein

In der Schweiz wurden mehrere Konzerte bereits mit dem Verweis auf Anti-Rassismus-Gesetze abgesagt. Auch in der Kärntner Ortschaft St. Andrä wurde ein für Anfang Juni geplanter Auftritt letztlich aufgrund des erhöhten Sicherheitsrisikos untersagt. Landeshauptmann Jörg Haider lud Sänger Perkovic daraufhin "als Geste des guten Willens" zu einem EM-Match ein.

Die Thompson-Songs werden auch gerne im Stadium gesungen und dürften auch während der EURO 2008 von Fußballfans angestimmt worden sein. Kroatiens Nationaltrainer nutzte eines der Lieder sogar zur Motivation seiner Spieler.

Der kroatische Fußballverband fasste wegen des Zurschaustellens von Ustascha-Symbolen durch kroatische Fans im Viertelfinale gegen die Türkei am 20. Juni in Wien eine UEFA-Strafe von 20.000 Schweizer Franken, umgerechnet 12.468 Euro, aus.

Ustascha

Die 1929 von Ante Pavelic gegründete Ustascha-Bewegung (wörtlich: "Der Aufständische") herrschte in Kroatien von 1941 bis 1945 als Handlangerin der deutschen Nazis und der italienischen Faschisten.

Dem Ustascha-Regime werden Gräueltaten und Massenmorde, insbesondere in dem Konzentrationslager Jasenovac angelastet. Hunderttausende Serben, Juden und Roma wurden umgebracht.

(APA)

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