Anna F.: Und dann kam Lenny

Sie ist erst 24, hat noch keine Tonträger veröffentlicht und ist trotzdem als Opening Act für die Europa-Konzerte von Lenny Kravitz engagiert. Warum die steirische Sängerin zum neuen Popstar Österreichs avancieren könnte.

Anna F.
Anna F.
(c) Michaela Bruckberger

Orange und sehr groß ist das Glas, an dem sie sich anhält, von Zeit zu Zeit einen großen Schluck daraus macht. „Ein Pago Marille“, hat sie vorhin bei der freundlichen Kellnerin bestellt. Die weiß nicht, wer da vor ihr sitzt. Auch dann nicht, als das junge Mädchen mit den langen, groß gelockten Haaren zur Gitarre greift und ein paar Takte anstimmt. Nur für das Foto, das wirkt natürlicher. So viel hat sie schon gelernt.

Sie ist 24, geboren und aufgewachsen im steirischen Ort Friedberg, sieht ein bisschen aus wie die Tochter von Penélope Cruz und wird demnächst erstmals auf den großen Konzertbühnen der Welt stehen. Die Sängerin Anna F. hat vergangenen Freitag so etwas wie den Lotto-Sechser im Popgeschäft gewonnen. Da trat sie in der Innsbrucker Olympiahalle auf. Angekündigt als Newcomerin des Jahres. Noch dazu aus Österreich. Und eine, die nur Englisch singt. Danach betrat ein Altbekannter des Pop die Bühne: Lenny Kravitz. Der US-Sänger und die Steirerin hatten da schon längst Bekanntschaft miteinander geschlossen. „Er hat uns beim Soundcheck zugehört und das Lied gemocht“, sagt sie. Als er dann das noch nicht fertige Album, das erst im Spätherbst erscheinen wird, hören wollte, fühlten sich die Künstlerin und ihre sechsköpfige Band geehrt. „Unsere Lieder haben ihm gefallen und er fragte uns, warum wir als Wiener Band nicht auch bei seinem Wien-Konzert einen Tag später spielen würden.“ Ja, warum eigentlich nicht?


„Wir brauchen Sponsoren“. Aus einer leisen Frage wurde die offen ausgesprochene Einladung, Kravitz auf dem Rest seiner Europa-Tour als Vorband zu begleiten. Die schon engagierte Vorband wurde schlichtweg „rausgekickt“. Nach Brünn am vergangenen Freitag geht es am Mittwoch nach Newcastle, danach nach Southampton und London. Die genauen Tourdaten hat Anna F. noch nicht im Kopf. Dafür sei bis dahin noch zu viel zu organisieren. „Wir brauchen einen Sponsor“, sagt sie in dezentem steirischem Akzent. Denn Lenny Kravitz lädt zwar ein, gezahlt wird für die Auftritte der Österreicher aber nichts. Flüge, die Nächtigungen (für sieben Bandmitglieder und Team) und die Technik müssen finanziert werden. Da helfen zwar ihre Kontakte zur Werbebranche. „Aber das reicht nicht.“

Anna F. hat den Weg zur großen Karriere gewissermaßen vonn hinten aufgezäumt. Natürlich hat auch sie klein angefangen. Als Sängerin in diversen Grazer Coverbands, am Vormittag in den Vorlesungen für das Anglistikstudium, am Nachmittag bei den Proben. Über die Wiener Band Café Drechsler trifft sie auf den um einiges älteren Schlagzeuger Alex Deutsch, der sie ermutigt, eigene Lieder zu schreiben. Die klingen ein bisschen nach Leslie Feist oder Alanis Morisette. Alex Deutsch ist heute ihr engster Berater, Lebensgefährte und Drummer der Band. Annas Schwester Kathi ist Backgroundsängerin und spielt Querflöte. Bald kommen wöchentliche Auftritte, etwa im B72, dazu. Den Künstlernamen Anna F. hat sie da schon. Ganz Profi will sie bis heute nicht verraten, wofür er steht. Jedenfalls nicht für ihren Nachnamen, wie Wikipedia fälschlicherweise behauptet. „Friedmann. So heiße ich gar nicht.“ Neben den unregelmäßigen Auftritten jobbt sie als freie Mitarbeiterin in der Sportredaktion von ATV. Der ganz normale Weg einer jungen Musikerin.

Aber plötzlich fügt sich eins zum anderen und es geht ziemlich schnell mit der Mundpropaganda und den kleinen, aber wirksamen Engagements. Raiffeisen leiht sich eines ihrer Lieder für ihre Fernsehspots. „Time Stands Still“ hat mit Sicherheit jeder zweite Österreicher schon mehrfach, wenn auch unbewusst gehört. Ein Werbeauftritt für eine andere Bank, ein Vertrag mit der Sportartikelmarke Puma Österreich kommen dazu. AnnaF. stellt kurze Videoclips von der Plattform think-new auf YouTube. Da kann man die hübsche Anna beim Zähneputzen sehen oder ihr dabei zuhören, wie sie knappe, ein bisschen naive Lebensweisheiten von sich gibt. Das österreichische Indiemagazin „Fleisch“ schwärmte schon vor eineinhalb Jahren von Anna F.: „Vielleicht ist sie bald das neue Gesicht des Pop in diesem Land. Dann wäre es zumindest nicht ganz hässlich.“. Die Bühnen werden ein bisschen größer, die Playlists der Konzerte ein bisschen länger. Ö3 und FM4 spielen ihre Lieder. Und dann kommt Lenny Kravitz.

Bis jetzt hat noch niemand Geld dafür bezahlt, sich ein Lied von AnnaF. anzuhören. Es gibt sie ja auf MySpace, YouTube und in der Werbung. Nur ein Album gibt es (noch) nicht. Österreichs neuer Popstar könnte Anna F. trotzdem bald sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2009)

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