Als Jackson in Wien mit einem Leichenwagen fuhr

Weilte der King of Pop in Wien, herrschte Ausnahmezustand – auch auf den Straßen. Ein Rückblick.

(c) Reuters (Gery Hershon)

WIEN. Dreimal beehrte Michael Jackson offiziell Wien mit Konzerten, einmal war er zum Einkaufen in Wien und ein weiteres Mal hatte er einen eher skurrilen Auftritt in Kalifornien – mit einem „Ehrenzeichen“ der Stadt Wien.

Bei seinem letzten Wien-Auftritt im Rahmen der „History Tour“ gastierte Jackson am 3. Juli 1997 im Ernst-Happel-Stadion. Beim Massenandrang vor den Kassen waren zahlreiche Michael-Jackson-Klone zu beobachten. „I wü ganz anfoch so sein wie er“, gestand damals ein verblüffend ähnlich aussehender Jackson-Doppelgänger aus Mürzzuschlag. Auf die Frage, ob er schon von offizieller Seite aufgefordert worden sei, den Star zu doubeln, meinte der Steirer dann aber resignierend: „Geh, i kann jo ka Wort Englisch“.

Jackson genoss in Wien den Rang eines Superstars. Auf seinen Wegen von und zum Stadion begleitete ihn eine Polizeieskorte. Am Konzertabend wurde er gegen 20.30 Uhr vom Hotel Imperial abgeholt und, so erzählte nach dem Auftritt ein Begleiter aus dem Tross, in „atemberaubendem Tempo“ in Richtung Prater eskortiert. Am Heumarkt dürfte „Jacko“ die Fahrt aber dann zu langsam vonstattengegangen sein.

„Plötzlich scherten zwei Polizeimotorräder und zwei leichenwagenähnliche Autos aus der Kolonne aus und preschten in lebensgefährlicher Weise nach vor“, berichtete ein Augenzeuge damals der „Presse“. Dieser fühlte sich an „Moskauer Zustände“ erinnert. Die Polizeieskorte machte damals aber den starken Verkehr für diese Situation verantwortlich: „Wir mussten uns halt beeilen.“

 

Inoffizieller Ehrenzeichen-Träger

Jackson kam rechtzeitig – und die mehr als 45.000 Besucher tobten. Das Rote Kreuz musste mehrere Fans mit Kreislaufzusammenbrüchen in Spitäler einliefern. Rund 180 mussten im Stadion ärztlich versorgt werden. Nach dem Ende der Show, um zirka 23.30 Uhr, blieb Jackson dann noch für einige Minuten auf der Bühne. Zum Leidwesen der Polizei, denn so kam der Konvoi mit dem Sänger genau in den Abreisestau. Aber mit der bereits erprobten „Moskau-Eskorte“ traf Jackson kurz nach Mitternacht in seiner Luxussuite im Imperial ein. Dort warteten zu dieser Stunde noch immer hunderte Fans, um einen Blick auf den scheuen Star zu werfen.

Ähnliche Szenen spielten sich auch bei den anderen Konzerten des Superstars in Wien ab. 1988 und 1992 besuchten ebenfalls jeweils zwischen 45.000 und 50.000 Fans seine Shows im Prater.

Bei seinem letzten Besuch im Frühjahr 1998 spielte er kein Konzert. Er ging mit Leibwächtern auf Einkaufstour und erstand in einem Antiquitätengeschäft ein „Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Wien“. Dieses trug er 2005 vor einem Gericht in Kalifornien, als er sich wegen Kindesmissbrauchs verantworten musste. Die Stadt Wien verzichtete damals übrigens großzügig auf ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Ehrenzeichengesetz. Siehe auch Seite 23

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2009)

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