Zoë: Zuckriger Pop und psychedelische Pilze

Die 19-jährige Sängerin Zoë setzte sich in der Song-Contest-Vorentscheidungsshow des ORF durch. Die Absolventin des Lycée Français singt auf Französisch.

Wer singt fuer Oesterreich?
Wer singt fuer Oesterreich?
ORF

Am Ende der Songcontest-Vorentscheidungsshow „Wer singt für Österreich?“ im ORF am Freitagabend standen zwei Teenager-Mädchen in weißen „Brautkleidern“ auf der Bühne. Die 17-jährige Elly V mit dunklen Locken, die einen zeitgenössischen Popsong mit Dubstep-Elementen vorgetragen hatte, schlug die Augen nieder. Die 19-jährige blonde Zoë trippelte von einem Bein auf das andere, die Kamera hatte Schwierigkeiten, sie einzufangen.
Zoës Sieg kam nicht überraschend. Sie trug ihren Song „Loin d'ici“ auf Französisch vor, allein deshalb stach sie aus dem Reigen der Verwechselbaren heraus. Schon im Vorfeld wurde die Wienerin als Favoritin gehandelt, sie hatte auch die größte Medienpräsenz aller Kandidaten. In der satirischen Late-Night-Talkshow „Willkommen Österreich“ von Stermann und Grissemann – in die alle Kandidaten eingeladen wurden – führte sie das Ranking an. Und ihr erstes Album „Debut“ kam im Vorjahr bis auf Platz fünf der heimischen Charts.


Den Siegersong schrieb Zoë gemeinsam mit ihrem Vater, Christof Straub. Er war Mitgründer des Wiener Duos Papermoon, eine der wenigen österreichischen Bands, die in den Neunzigern auf Ö3 gespielt wurde. „Loin d'ici“, auf Deutsch „Weit weg von hier“, ist ein eingängiger, zuckriger Popsong mit Eurodance-Beat und Tendenz zum Schlager, dessen Melodie an Nenas Achtzigerjahre-Hit „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ erinnert.

Dass „Papi“ Straub gute Connections in die österreichische Musikbranche hat, war sicher kein Hindernis für Zoës Erfolg. Dem ORF ein abgekartetes Spiel zu unterstellen, wie einige Zuseher in den sozialen Medien, geht aber zu weit. Die 19-Jährige hob sich auch durch ihren Siegeswillen ab. Kein „Es wäre schön“, oder „Ich gönne es allen“, sondern ein klares „Ich will das unbedingt“. Wenn es sein müsse, würde sie es auch fünfmal versuchen, wie Måns Zelmerlöw, der vergangenes Jahr für Schweden gewonnen hat. Auch damals wollte Zoë schon teilnehmen. Sie unterlag im Vorentscheid den Makemakes, die beim Songcontest in Wien ohne einen einzigen Punkt blieben.

Charme der jungen Vanessa Paradis

Zoës Charme erinnert an die junge Vanessa Paradis: nicht mehr ganz unschuldig, aber noch keine Femme fatale. Diesen Eindruck bekräftigen die Kurzinterviews mit ihr in der Show, die sich zwischen naiv-herzig und kokett bewegten. Ihre Lieblingstextzeile sei „All You Need is Love“, erzählte sie. Auf einen Kaffee gehen würde sie am liebsten mit Johnny Depp. „Aber nur einen Kaffee trinken, nicht die Nacht verbringen“, stellte sie klar. Warum sie auf Französisch singt? Sie fühle sich wohl in der melodischen Sprache, so die Absolventin des Lycée Français.

Ihr Auftritt war nicht der beste des Abends – auf visueller Ebene schlug Elly V sie mit Schattenspielen und Kostümwechsel deutlich. Zoë ging singend auf einem Laufband auf der Stelle, das klappte im zweiten Durchgang besser als im ersten, in dem sie beinahe stolperte. Auf der Videowand hinter ihr sah man Blumen und Pilze, mit starker Tendenz zu Rosa – wie ein LSD-Trip im Mädchenzimmer.
Zoë war deutlich eine der besseren Kandidaten. Das gecastete, ungleiche Duo Celine Roschek („Ich würde gern mit Jesus auf einen Kaffee gehen“) und Farina Miss oder die schwer erträgliche Weltverbesserungsmusik von Bella Wagner („We have rights. Human rights“, heißt es im Song „Weapons Down“) gehörten zu den vielen nichtssagenden Beiträgen.

Wirklich herausstechen – wie die „Bearded Lady“ Conchita Wurst – wird Zoë in Stockholm dennoch nicht. Dort braucht es mehr als Siegeswille.

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