Robbie Williams: Comeback mit einem Weltrekord

Der Popstar meldet sich nach drei Jahren zurück – und stellt mit seinem Comeback-Konzert einen Weltrekord auf. Schon wieder.

(c) AP (Yui Mok)

Als wäre er einem seiner größten Hits entstiegen, ist Robbie Williams wieder da: In seinem Song „Feel“ heißt es:

„Come on hold my hand,

I wanna contact the living.

Not sure I understand,

This role I've been given.“

Nach drei Jahren Pause, in denen er sich nach eigenen Angaben vorwiegend mit UFOs beschäftigte, hat er nun wieder Kontakt mit uns aufgenommen.

Es wäre nicht Robbie Williams, hätte er dabei nicht auch gleich einen Superlativ mitgeliefert: Sein Comeback-Konzert im Londoner Roundhouse vor 3000 Fans wurde Dienstagabend zugleich auch in mehr als 250 Kinos in 23 Ländern weltweit und für 33 Millionen Menschen in 22 Staaten live im Radio ausgestrahlt. Das hat es davor noch nie gegeben – Williams sichert sich so einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde.

Nach „wackeligem Beginn“ (so der „Daily Mirror“ in seiner Konzertkritik) brachte Williams schon mit der dritten Nummer, „Come Undone“, sein Publikum zum traditionellen Mitgrölen.

Diese Art der Konzerte und die gekonnte Selbstinszenierung sind es, die den 35-jährigen Engländer aus Stoke-on-Trent zum erfolgreichsten Solokünstler aller Zeiten gemacht haben. Und sein Comeback am Dienstag war nicht sein erster Rekord: Im Jahr 2003 spielte er drei Konzerte hintereinander in Knebsworth vor insgesamt 375.000 Menschen. Wer die Liveaufnahme hört, kann bis heute die damalige Massenekstase miterleben. Einen weiteren Rekord stellte Williams auf, als für seine letzte Welttournee 2006 innerhalb von wenigen Minuten weltweit 1,6 Millionen Tickets verkauft wurden.

Nicht schlecht für einen, dessen Karriere nach dem Ausstieg aus der Boyband Take That 1995 von vielen eigentlich schon als beendet betrachtet wurde. Und für einen, dem der Fußballtrainer Martin O'Neill vor zwei Jahren live im Fernsehen ins Gesicht sagte: „Du hast es eigentlich ziemlich weit gebracht, wenn man bedenkt, dass du nicht schauspielen kannst, nicht singen kannst und kein Instrument spielen kannst.“

Tatsächlich: Williams hat dennoch bisher 55 Millionen Alben verkauft. Mit seinem Comeback-Konzert versucht er nun, die Stimmung für sein jüngstes Werk anzuheizen: „Reality Killed The Video Star“ heißt es, und es kommt am 6. November auf den Markt, genau richtig für das Weihnachtsgeschäft. Branchenkenner meinen, dass der Erfolg des Albums über die Zukunft seines Plattelabels EMI (siehe Seite 31) entscheiden wird: „Es heißt alles oder nichts für sie“, sagt Gennaro Castaldo von der Musikkette HMV. „Sie zielen genau auf jene Menschen, die sich maximal eine oder zwei CDs im Jahr kaufen.“

Auch für Williams geht es in gewisser Hinsicht um alles oder nichts. Nicht finanziell, denn laut der Rich List 2009 der „Sunday Times“ besitzt er trotz eines Rückgangs von 27 Millionen Pfund immer noch stolze 88 Millionen Pfund. Aber als Musiker und Megastar. Sein letztes Album war ein Flop und die vergangenen drei Jahre fiel er eher durch Absonderlichkeiten wie das Tragen eines formidablen Rasputinbartes (mittlerweile zum Comeback wieder abrasiert), Rehabilitationskuren wegen Drogen-, Alkohol- und/oder Medikamentenmissbrauchs und die Faszination für UFOs auf.

Die englischen Kritiker schossen sich auch vor wenigen Tagen auf ihn ein, als ihm vor 13 Millionen Sehern ein Fernsehauftritt denkbar misslang. Dem nicht weichen wollenden Gerücht, er sei betrunken gewesen, entgegnet Williams mit einem etwas zweifelhaften: „Nein, ich habe zu viel Kaffee getrunken.“ Die Engländer, ein Volk der Teetrinker, staunen. Aber sie nehmen es ihm nicht wirklich übel. Denn Williams ist längst Teil der nationalen Folklore: Sein Lied „Angel“ ist das meistgespielte auf britischen Hochzeiten. Und Begräbnissen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2009)

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