Berner Mundartrocker Polo Hofer ist tot

Der oft unangepasste Musiker machte eine Wandlung vom Hippie zum Popstar und zum Schweizer des Jahres durch und kreierte Gasseahauer wie "Kiosk" und "Teddybär".

Polo Hofer bei der Award-Show "Schweizer des Jahres 2006"
Polo Hofer bei der Award-Show "Schweizer des Jahres 2006"
Polo Hofer bei der Award-Show "Schweizer des Jahres 2006" – (c) REUTERS (Siggi Bucher)

Vater des Mundartrock. Schöpfer von 350 Songs, von denen einige längst Schweizer Allgemeingut sind. Performer, Polit-Provokateur und Kalb der Nation. Polo Hofer passt in fast jede Schublade - und irgendwie doch in keine.

Der Mann, der am 16. März 1945 als Urs Alfred Hofer zur Welt kam und später seinen Pfadfindernamen zum Markenzeichen machte, hat die Deutschschweiz jahrzehntelang unterhalten und den Weg für den bis heute boomenden Mundartrock geebnet. "Vor uns gab es ja nur das Trio Eugster", sagte er vor einigen Jahren der Nachrichtenagentur sda.

Polo Hofer, der letzte ausgebildete Handlithograf der Schweiz, änderte das Anfang der 1970er-Jahre gründlich. Inspiriert von den Berner Troubadours um Mani Matter, aber auch von Udo Lindenberg gründete er mit Interlakner Weggefährten die Band Rumpelstilz.

Billante Musiker als schräge Vögel

Hofer, ursprünglich Schlagzeuger, war nun der Sänger, zusammen mit Pianist Hanery Amman prägte er die zugleich ambitionierte und freakige Band aus dem Berner Oberland. Das kongeniale Duo Hofer/Amman schrieb die meisten Songs. Gassenhauer wie "Kiosk" und "Teddybär" sorgten für Aufsehen.

Für viele Schweizer waren Rumpelstilz wohl einfach "glatti Sieche" und schräge Vögel. Dabei hatten die Berner Oberländer weit mehr zu bieten; sie brillierten als Musiker und schufen zeitlose Klassiker wie "D' Rosmarie und i", "Die gfallene Ängel" oder "Es Blatt im Wind".

Polo Hofer selber tanzte schon damals auf vielen Bühnen. So kandidierte er 1971 mit den "Härdlütli" fürs Berner Stadtparlament. Dank Nackt-Plakat und schrillem Parteiprogramm holte die Liste tatsächlich einen Sitz.

Auch später war Hofer immer gut für ein provokantes Polit-Statement, getreu dem Motto: "Nur ein toter Fisch schwimmt mit dem Strom." Als überzeugter Kiffer setzte er sich zudem immer wieder für straffreien Cannabiskonsum ein.

Rumpelstilz zerbrachen an ihrem Erfolg und internen Streitereien, Polo Hofers Popularität tat dies keinen Abbruch. Als Frontmann von SchmetterDing und SchmetterBand setzte er seine Karriere im nationalen Schweizer Scheinwerferlicht fort, unbeirrt von Eierwürfen während der 1980er-Unruhen.

Hofer erledigte auch viele Auftragsarbeiten, so schuf er die Hymne des Piratensenders "Radio 24" und rief 1987 zum Kampf gegen Aids auf ("Im Minimum e Gummi drum"). Mit stets hochkarätig besetzten Bands nahm er eine Platte nach der anderen auf, er beherrschte den Chilbi-Rock ebenso wie die Ballade.

"Größter Schweizer Hit aller Zeiten"

Über allem aber thront der Song "Alperose" aus dem Jahr 1985. Hanery Amman hatte ihn komponiert, ursprünglich hieß er "Kentucky Rose". Irgendwann geriet der Song in die Hände von Polo Hofer, der ihn mit einem berndeutschen Text versah und zum Gassenhauer machte - zum "größten Schweizer Hit aller Zeiten", gemäss SRF-Voting von 2006.

Hofer ging seinen Weg weiter, trat auch aus gesundheitlichen Gründen auf der Bühne etwas kürzer, war aber als Gestalter, Zeichner und Texter umso aktiver. Sein letztes Album erschien im Jänner 2016 und hieß "Ändspurt".

Polo Hofer konnte sich da schon mit dem Titel "Schweizer des Jahres" schmücken, auch so ein Fernsehpreis, den er in gewohnt geschäftstüchtiger Manier zu Geld machte: Für den Auftritt an der TV-Gala ließ er sich eine Entschädigung im vierstelligen Frankenbereich auszahlen.

Am offiziellen Festakt auf der Älggi-Alp am 2. Juli 2016 konnte er aus gesundheitlichen Gründen aber nicht teilnehmen. Schon im vergangenen Juni hatte seine Ehefrau Alice Hofer bekanntgeben, der Mundartrocker ziehe sich "bis auf weiteres" aus der Öffentlichkeit zurück.

Geschwächter Hofer im TV

Noch im Mai war er in einer SRF-Sendung über Bob Dylan aufgetreten. Hofer wirkte schwach und abgemagert. Körperliche Beschwerden hatte er schon länger. "Ich hatte 40 Jahre Chilbi und Party", hatte er schon 2007 nach einer Operation zu Protokoll gegeben. "Das kostet halt etwas."

"Lasset uns die Feste feiern, bevor wir fallen!", erklärte Polo Hofer vor einigen Jahren in einer "Rede an die Nation" zum 1. August. "Beißet in den Emmentaler und nicht ins Gras, schlucket den Wein und nicht eure Sorgen hinunter. Auf dass die Schweiz so bleibt, wie sie schon immer sein wollte."

(APA/sda)

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