Chansonnier Charles Aznavour ist tot

Der Altmeister des französischen Chansons wurde mit Liedern wie "La Boheme" und "Emmenez-moi" berühmt. Nun ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

Charles Aznavour im Jahr 2011.
Charles Aznavour im Jahr 2011.
Charles Aznavour im Jahr 2011. – (c) AFP (ERIC FEFERBERG)

Der französisch-armenische Chansonnier Charles Aznavour ist Sonntagnacht in seinem Haus im südfranzösischen Alpilles im Alter von 94 Jahren gestorben. Das teilten seine Sprecher der Nachrichtenagentur AFP am Montag in Paris mit. Der Altmeister des französischen Chansons wurde mit Liedern wie "La Boheme" und "Emmenez-moi" berühmt.

Über 1200 Chansons umfasst sein Lebenswerk. In vielen decouvrierte er liebevoll eigene und fremde Schwächen, philosophierte über die Liebe und das unerbittliche Verfließen der Zeit. Seine Kreativität und Zähigkeit stellte sämtliche seiner direkten Konkurrenten von Jacques Brel bis Léo Ferré in den Schatten. Auch über Armenien sang er - die Heimat seiner Eltern, und das Land, für das er sich ab 1995 als UNESCO-Sonderbotschafter, ab 2009 als Botschafter in der Schweiz einsetzte.

"Ich nehme mir einfach das Recht heraus, über alles zu schreiben, was es gibt auf dieser schönen Welt. Eine Zeitlang machte es mir Spaß, Tabus zu brechen. Und einmal hab ich sogar ein Chanson geschrieben, das völlig ohne Gegenstand auskam", sagte Aznavour vor einem Jahr zur "Presse". Er setzte spitzbübisch nach: "Wer kann das, außer mir?"

Von Édith Piaf groß gemacht

Charles Aznavour (eigentlich: Shanur Waghinak Asnawurjan) kam 1924 als Sohn eines armenischen Flüchtlingspaars in Paris zur Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Armut. Als Kinderschauspieler und Tänzer steuerte er früh zum wechselhaften Familieneinkommen bei - und das, obwohl er, kleingewachsen und mit einer großen Nase ausgestattet, alles andere als eine stolze Bühnenerscheinung war. Mit dem Pianisten Pierre Roche spielte er bald in Pariser Lokalen und begann, Chansons zu schreiben.

1946 entdeckte ihn Édith Piaf und nahm ihn mit auf Tournee durch Frankreich und die USA. Damit schaffte Aznavour den internationalen Durchbruch: Er sang in acht Sprachen (darunter Deutsch). Eine Umfrage von CNN und "Time online" kürte ihn zum "Entertainer des Jahrhunderts", Bob Dylan bezeichnete ihn als den besten Livemusiker, den er je gesehen hatte. Er sang u.a. mit Fred Astaire, Frank Sinatra, Andrea Bocelli, Bing Crosby, Ray Charles und Liza Minnelli, mit seiner geschmeidigen Stimme verkaufte er rund 200 Millionen Alben. Dabei hatten Ärzte befunden, er könne gar nicht singen, weil sich doch eines seiner Stimmbänder weigerte, mitzuschwingen.

Er war auch Filmschauspieler

Parallel dazu hatte Aznavour auch eine Karriere als Schauspieler. Sie begann 1960 mit "Schießen Sie auf den Pianisten" von Francois Truffaut. In über 80 Filmen spielte er mit, darunter Volker Schlöndorffs Verfilmung von Günter Grass' "Die Blechtrommel", der u.a. mit einem Oscar und der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet wurde. Aznavour spielte darin den jüdischen Spielwarenhändler Sigismund Markus, der dem kleinen Oskar seine Trommeln schenkt. 2008 gab Aznavour seinen Abschied als Schauspieler bekannt. 

2006 begann er eine Abschiedstournee, tatsächlich trat er noch bis im Vorjahr regelmäßig in den größten Sälen der Welt auf. Nach einem Sturz im Mai dieses Jahres, bei dem er sich einen doppelten Armbruch zuzog, musste der Sänger Konzerte absagen, im Juni folgten weitere Absagen. In Österreich war Aznavour zuletzt am 9. Dezember 2017 in der Wiener Stadthalle aufgetreten [premium].

(APA/Red.)

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