Sexueller Missbrauch im Weihnachtssong?

#MeToo hat den Klassiker „Baby, It's Cold Outside“ in Verruf gebracht. In dem Lied versucht ein Mann eine Frau zu überreden, über Nacht bei ihm zu bleiben.

Berühmte Szene aus dem Film Neptune's Daughter von 1949.
Berühmte Szene aus dem Film Neptune's Daughter von 1949.
Berühmte Szene aus dem Film Neptune's Daughter von 1949. – (c) Screenshot

Stets gehörte er in der Weihnachtszeit zu den meistgespielten Songs – nun aber haben mehrere Radiosender „Baby, It's Cold Outside“ von ihren Playlists gestrichen. Warum? Findet man darin etwa sexuellen Zwang, ja, wie manche meinen, eine Beinahe-Vergewaltigung?

In dem Lied versucht ein Mann eine Frau zu überreden, über Nacht bei ihm zu bleiben, sie bringt Einwände: Es sei spät, die Mutter werde sich sorgen, der Vater wüten, was würden die Nachbarn sagen . . . Aber es sei doch so kalt draußen und hier das Feuer so warm, umschmeichelt sie ihr Verehrer – nur noch ein halber Drink, noch eine Platte . . . Ja, der Kerl ist beharrlich („You're very pushy, you know?“, sagt sie) – und hat Erfolg: Die Frau trinkt nun doch noch ein Gläschen („What's in this drink?“), nimmt dann einen neuen Anlauf zu gehen, alles geht von vorne los – bis sie am Ende zustimmt: „Okay fine, just another drink then“. „That took a lot of convincing!“, so des Mannes letztes Wort.

Sind verführerische Worte, sind angebotener Alkohol schon Zwang? Frank Loesser, der das Lied 1944 schrieb, hätte wohl nicht gedacht, dass sein frivoles Verführungs-Geträller ausgerechnet in sexuell so viel freieren Zeiten wieder hoch verdächtig werden würde.

 


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2018)

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