Festival? Konzertreihe an der frischen Luft!

Auf dem neuen Kulturgelände in Wien Donaustadt spielen unter anderem The 1975, Greta Van Fleet und Scooter. Zu essen gibt es auch Insekten.

Die "Metastadt" bei der Präsentation der Konzertreihe im April.
Die "Metastadt" bei der Präsentation der Konzertreihe im April.
Die "Metastadt" bei der Präsentation der Konzertreihe im April. – APA/HERBERT PFARRHOFER

Wien. Vor zwei Jahren bespielte die Firma Arcadia Live noch das idyllischste Festivalgelände Österreichs, jenes im burgenländischen Wiesen. Die dortigen Felder liegen heuer – abgesehen von einem „Genussfestival“ namens Alles Erdbeere, dem Reggaefestival One Love (am 2. und 3. 8.) und dem Musical „Hair“ – eher brach; Arcadia Live hat sich auf urbaneres, wenn auch nicht unidyllisches Terrain verlegt: auf die sogenannte Metastadt. Dort gibt es vom 8. bis 11. Juli Open-Air-Konzerte, die erfreulicherweise nicht mit dem überstrapazierten Begriff Festival, sondern cooler als „Konzertreihe an der frischen Luft“ bezeichnet werden.

Die Metastadt liegt auf dem Gelände des ehemaligen Elin-Werks in Hirschstetten, einem Teil des 22. Bezirks, der in die Popgeschichte eingehen wird, weil der Nino aus Wien und Yung Hurn dort aufgewachsen sind. Das benachbarte Stadlau ist bereits Austropop-Historie, seit Wolfgang Ambros seiner „Blume aus dem Gemeindebau“ Augen zugeschrieben hat, die „so blau wie ein Stadlauer Ziegelteich“ seien. Aufrüstung mit kulturellen Einrichtungen kann „Transdanubien“ noch vertragen, das ist der Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler bewusst: In diesem Sinn haben die Festwochen heuer dort eröffnet, und dazu passt auch gut, dass die Metastadt nun als Location für große Popkonzerte dient.

Post-Punk, Hardrock, Techno

Das Backsteingemäuer der ehemaligen Motorenfabrik – Industrieromantik! – erinnert deutlich an die Arena im elften Bezirk. Dort ist auch vor zwei Jahren die Band aufgetreten, die Headliner am Montag ist: The 1975 aus Manchester, deren Sänger sich selbst selbstironisch in einem Song als „a millennial that baby-boomers like“ beschreibt. Das stimmt, diese Band steht in der Post-Punk-Tradition, ohne unmodern zu sein. Das kann man auch über ihre Kollegen von Two Door Cinema Club sagen. Tags darauf, am 9. Juli, spielt eine jener jungen Bands, bei denen sich Menschen über 60 die Ohren und Augen reiben, weil sie gar so sehr nach Hardrock der 1970er-Jahre klingen und auch so aussehen: Greta Van Fleet aus Michigan.

Seit den frühen Neunzigerjahren mit grellem Techno (sprechende Stücktitel: „Our Happy Hardcore“, „Faster Harder Scooter“) und dazupassendem Feuerwerk erfolgreich sind Scooter aus Hannover: Sie treten am 11. Juli ins Licht der Metastadt, einbegleitet von ihren jüngeren Berliner Kollegen von Großstadtgeflüster und den trashigen Videocollagen des Wieners Kurt Razelli, der sich nicht ohne Maske (zuletzt mit dem Antlitz Arnold Schwarzeneggers) zeigt.

Essen wird, wie unter fortgeschrittenen Burger-Addicts üblich, an Foodtrucks serviert, unter anderem gibt es Insekten (wirklich). Die Anfahrt mit der Straßenbahn Linie 25 wird empfohlen. (tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2019)

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