Wanda Jackson: Lebenslänglich Königin des Rockabilly

Alterslos: Wanda Jackson im Wiener Theater Akzent. Solide begleitet von der Chris Aron Band, zeigte Jackson, dass in ihr noch immer ein aufsässiger Geist haust.

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(c) REUTERS (JON NAZCA)

In den späten Fünfzigern und frühen Sechzigern war Wanda Jackson, oft als „Queen of Rockabilly“ tituliert, die heißeste Braut des Pop. Viele ihrer Songs punkteten mit schlüpfrigen Texten und Rhythmen, die ohne flexibles Becken nicht erträglich waren.

Nun, vom Beckenkreisen sah die heute 73-Jährige bei ihrem Auftritt in Wien ab. Doch das neckische Wackeln mit den Brüsten praktizierte sie zum rattenscharfen „Shakin' All Over“ mit Hingabe. So viel Emphase war ansteckend. Soignierte Altfans verwandelten sich in wild gestikulierende Kreischkinder. Jackson quittierte das mit seligem Lächeln.

Ihre rauchige Stimme hat immer schon diese gewisse Gefährlichkeit ausgestrahlt. Dieser Effekt ist mit den Jahren noch stärker geworden. Das wurde schon beim rasanten Opener „Mean Mean Man“ deutlich. Da verengte Jackson ihre Zwielichtaugen. „I love you more than I can“, intonierte sie gepresst. Auch „I Betcha My Heart I Love You“ war höchst amourös aufgeladen. Die Macht des Eros, sie kennt eben keine Altersbeschränkung...

Solide begleitet von der Chris Aron Band, zeigte Jackson, dass in ihr noch immer ein aufsässiger Geist haust. Die alten Hits „Funnel of Love“ und „Fujiyama Mama“ klangen erstaunlich ungezügelt. Vom neuen Album gefielen besonders das rüde „Rip It up“ und die gefährliche Amy-Winehouse-Ballade „You Know I'm No Good“. Da rauchte die Orgel, da wimmerte die Westerngitarre. Ein Medley zu Elvis Presleys Ehren durfte nicht fehlen, zumal die Queen den King ja „gedatet“ hat, wie man im Amerikanischen ein Pantscherl sittsam umschreibt. Highlight des Abends: „Riot in Cell Block #9“, das ruppig-rosige Pendant zu Presleys „Jailhouse Rock“. sam

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2011)

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