Russischen Punk-Aktivistinnen Pussy Riot droht Haft

Mit einer bizarren Performance in einer Kathedrale protestierte die Frauen gegen Putin. Sie könnten zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt werden.

Russischen PunkAktivistinnen Pussy Riot
Russischen PunkAktivistinnen Pussy Riot
Sieben Jahre Gefängnis für Pussy Riot? – (c) AP (Sergey Ponomarev)

Die Festnahme der Mitglieder der russichen Punk-Band Pussy Riot ruft weltweites Echo hervor. Die Frauen-Punkband wollte mit einer Performance vor der Präsidentenwahl am 4. März auf die enge Verbindung zwischen Politik und Kirche in Russland aufmerksam machen. Mit Strickmützen maskiert sangen sie auf dem Altar der Christi-Erlöser-Kathedrale in Moskau ein Lied mit dem Text: "Heilige Mutter, gesegnete Jungfrau, vertreibe Putin." Drei von ihnen wurden festgenommen. Nun droht den Künstlerinnen wegen "Rowdytums" bis zu sieben Jahre Haft.

Mehr als 2000 Gläubige forderten in einem offenen Brief Kirchenoberhaupt Kirill auf, die "Hetzjagd" auf die Mitglieder der Punk-Band Pussy Riot zu beenden. Sie verurteilten die Performance zwar, hieß es in dem Schreiben. "Aber noch für viel unzulässiger erachten wir die Reaktion auf die Aktion - Strafverfahren, Freiheitsentzug und die scharfen Angriffe von Mitgliedern der Kirchenführung auf die Teilnehmer des 'Punk-Gebets'." Auch Internet-Petitionen machen sich für die Freilassung der Aktivistinnen stark.

Verurteilung immer wahrscheinlicher

Doch das Gegenteil könnte passieren: Eine Verurteilung wird nach Ansicht von Experten immer wahrscheinlicher: Patriarch Kirill, der den gewählten Präsidenten Wladimir Putin unterstützt, kritisiert in seiner ersten Stellungnahme die Mitglieder von Pussy Riot mit harschen Worten. Er sprach von einer "Entweihung" der Kathedrale in Moskau. "Der Teufel lacht über uns alle", so der Patriarch.

Einflussreiche Kirchenvertreter sprechen im Zusammenhang mit der Performance sogar von "Extremismus" - dann wäre sogar eine noch härtere Strafe möglich. Der Text des "Punk-Gebets" habe Hass gegen die Kirche geschürt, meint Synodenmitglied Wsewolod Tschaplin.

Putin reagierte "negativ"

Allein der Auftritt war eine klare Provokation. Hinzu kam der Zeitpunkt kurz vor der Präsidentenwahl, bei der Putin sich zum dritten Mal in den Kreml wählen ließ. Zu Pussy Riot äußern sich weder Putin noch der scheidende Präsident Dmitri Medwedew öffentlich. Aber Putin habe negativ auf den Vorfall reagiert, sagte dessen Sprecher Dmitri Peskow. Noch bevor der Richterspruch gefallen ist versprach Putin, so ein Vorfall werde sich nie wiederholen. Für Beobachter ist dies ein weiteres Zeichen, dass die Punk-Aktivistinnen bei der obrigkeitshörigen Justiz kaum auf Gnade hoffen dürfen.

 

(Ag.)

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