Phoenix: Zurück zum Gelato

KritikPhoenix beschwören jetzt das Italien der Siebzigerjahre.

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Die Nostalgie ist auch nicht mehr ganz das, was sie früher einmal war. Die französische Band Phoenix widmet sich seit jeher der Pflege von hochromantisierter Jugenderinnerung und weichgezeichnetem Retro-Schick in Pastelltönen, souverän verwaltet mit den Mitteln geschichtsbeflissener Indiepop-Charmeure. Das ist auf ihrem sechsten Album kaum anders: wie immer adrett und luftig, akkurat lässig frisiert, nach genauem Design entworfen und mit dem teuersten Parfum bestäubt – diesmal vielleicht bloß schon ein bisschen müde geworden. Die Ungezwungenheit gut betuchter Pariser Boys mit feinen Haaren und schönen Hemden, die aussehen, als wären sie nebenbei ins Leben gefallen. Ein leichtes Leben, ein Leben auf Yachten, mit Segelschuhen und pfirsichfarbenen Cocktails in Spezialgläsern.

Das sind alles Klischees, sicherlich, Phoenix aber pflegen sie gern, mit schlingelhafter Grandezza und süßer Dekadenz. „Ti amo“ nennt sich das neue Album schon wenig bescheiden, und man muss der italienischen Sprache kaum mächtig sein, um verstehen zu können, dass das „Ich liebe dich“ bedeuten soll. Phoenix arbeiten ostentativ mit bekannten Mustern der Popkultur, stellen althergebrachte Formen und Bilder smart aus, geben ihnen ihren Spin, beleuchten sie im geschmackvollsten Spotlight. Auf „Ti Amo“ ist der ästhetische Leuchtturm und Fluchtpunkt also das Italien der 70er-Jahre. Oder immerhin ein Italien, das wir uns nach Postkartenmotiven, Kinofilmen und blassen Souvenirs zurechtimaginieren. Eisschlecken am Strand, Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge, zarte Ferienromanzen, Marcello Mastroiani, Monica Vitti. Einen Song widmen Phoenix hier tatsächlich dem „Gelato“ – nur dem delikatesten, klar.

„Ti amo“: Das sechste Album der französischen Indiepop-Charmeure.
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„Ti amo“: Das sechste Album der französischen Indiepop-Charmeure.
„Ti amo“: Das sechste Album der französischen Indiepop-Charmeure. – (c) Beigestellt

Glitzerkugel. Das alles ist aber nicht bloße Kitschhuberei und Pose. Phoenix wissen, wie das geht mit dem Songschreiben und dem Umwerten von längst schwer vorbelasteten Sujets. Schon seit ihrem Debüt „United“ (2000) glückt ihnen recht verlässlich der Eiertanz zwischen Discorock und Powerpop, zwischen Kiss und Bee Gees, zwischen AC/DC und Fleetwood Mac, mal mehr Richtung Gitarre, mal mehr Richtung Dancefloor gebogen. Auf „Ti Amo“ arbeiten Phoenix deutlich die elektronische Komponenten im Spektrum heraus, setzen verstärkt auf Synthesizer und Glitzerkugel und kommen so auch sicher nicht zufällig oft in der Nachbarschaft ihrer Landsleute und Homies von Daft Punk an. Kesses Augenzwinkern und Schmusen in Jesolo, Ferienlagertanzabend, Alleinunterhalterkeyboard und Instant-Slowfox - es hilft ja nix: Amore. (Glassnote)

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