The Black Keys: Rock im Angesicht des Ungewissen

KritikKrachige Gitarren, beseeltes Getrommel: Nach fünf Jahren Pause kehren die Black Keys mit „Let's Rock“ triumphal zurück.

Dan Auerbach; Gründer der Black Keys.
Dan Auerbach; Gründer der Black Keys.
Dan Auerbach; Gründer der Black Keys. – (c) imago/ZUMA Press (Brian Lowe)

Eine Band am Höhepunkt des Erfolgs pausieren zu lassen, das hat durchaus destruktive Anmutung. Offenbar überwog Dan Auerbachs Lust daran, die gut geölte Maschine namens Black Keys zum Stehen zu bringen, letztlich alle Freude am gemeinsamen Musizieren mit dem Kindheitsfreund Patrick Carney.

2001 gegründet, hatte das Duo viele Jahre lang den Staub der Landstraßen gefressen. Neun Stunden Anreise zu einem Gig, 30 Dollar Gage kassieren und dann noch zwei Stunden fahren, bis eine leistbare Unterkunft gefunden war. Das war lange Zeit der Tourneealltag. Der Durchbruch 2010 mit dem Album „Brothers“ war keine Erlösung, veränderte bloß das Ungemach. Zunächst erfreute sich das Duo noch der Stadien- und Festivalauftritte. Doch dann verlor sich der Spaß in Routine. Vor allem Dan Auerbach, dem Gitarristen und Sänger, stank es, immer weniger Raum für Improvisationen zu haben. So legte er das Projekt auf Eis. Sehr zum Missvergnügen von Schlagzeuger Patrick Carney: Obwohl auch er in der Zwischenzeit als Produzent erfolgreich war, blutete ihm all die Jahre das Herz.

Letzte Worte eines Delinquenten

Nach fünf Jahren Pause spielte das Duo endlich wieder in Auerbachs Easy Eye Studio in Nashville zusammen. Und siehe da, die Magie war noch da. „Let's Rock“ heißt das neunte Black-Keys-Album, nach den letzten Worten eines Delinquenten, der zur Zeit der Aufnahmen in Tennessee hingerichtet wurde. Auerbach fand diesen Mut zum Aufbruch ins unbekanntes Territorium Tod so attraktiv, dass er ihn zum Albumtitel erkor. Bereits in der Eröffnungsnummer, dem herrlich krachigen „Shine A Light“, arbeitet er sich an den Mysterien der Existenz ab: „Have you ever tried to love someone who wasn't even there?“ Zweifel beherrschen die Szene. „Go to places that you used to go, but they don't feel the same.“ Fix scheint nur, dass sich alles zur Auflösung hinbewegt. „We all decompose and slowly disappear.“

Auf den Produzenten Danger Mouse, der die Geradlinigkeit der Black Keys auf deren letzten beiden Alben wunderbar mit Verspieltheiten sabotiert hat, verzichteten sie diesmal. So sind die meisten Songs von imponierender Schnörkellosigkeit. „Under The Gun“ etwa, eine schlichte Melodie, wie geschaffen für Stadien. Das verschummerte, von einer schwelgerischen Orgel eingeleitete „Walk Across The Water“ ist einer der wenigen Songs ohne markantes Riff. Und immer wieder reflektiert Auerbach – dessen Onkel Robert Quine Gitarrist bei Lou Reed war, während Patrick Carneys Onkel bei Tom Waits Saxofon spielte – die geliebte Tradition. Die Gitarren auf „Walk Across The Water“ klingen nach „Jeepster“ von T. Rex, der Schlagzeugsound von „Sit Around And Miss You“ nach dem der Kinks auf „Victoria“.

„Let's Rock“ ist ein höchst erfrischende Liedersammlung, die zeigt, dass persönliche Chemie durch nichts zu ersetzen ist. Trotz ihrer divergenten musikalischen Interessen müssen die Black Keys jetzt so gescheit wie Rolling Stones sein, sich ihrem Schicksal beugen und weitermachen. Obwohl Dan Auerbach gerne Reiseängste vorschiebt, um nicht in Europa touren zu müssen, sind doch für 2020 Auftritte am alten Kontinent geplant: Let's rock!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2019)

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