Song der Woche

"All Wordz Are Made Up": Als Pop noch paradiesisch war

Neben seiner ersten Band, The Strokes, hat der Manhattan-Hipster Julian Casablancas eine zweite: The Voidz posieren meist mit Lederjacken. Nun erschient das zweite Album: „Virtue“.

The Voidz
The Voidz
The Voidz – (c) Beigestellt

The Voidz: „All Wordz Are Made Up“. In den unschuldigen – um nicht zu sagen: paradiesischen – Zeiten des Pop, als er noch nicht zentrales Thema der Feuilletons war, sahen diese ihn gern als ephemeres Phänomen, als kurzlebigen Modeschrei, heute in, morgen out. Genau darauf spielt die erste Zeile dieses Songs an: „No one will care about this in ten years“, Ewigkeit wohnt hier nicht, das bringt Lässigkeit und Freiheit.

Diesfalls zu einem schlichten Zwei-oben-zwei-unten-Beat, über dem Julian Casablancas mit verzerrter Stimme Sinnfetzen („suicide envy, pink ocean of tears“) spuckt. Bis ihn plötzlich, in einem so simplen wie genialen Refrain, helle Paranoia packt. Die Maßstäbe sind zu hoch, singt er: „I don't want everything or understand anything.“ Ihm antworten Autotune-Maschinenstimmen. Eine Surfgitarre weist zum Strand, eine Kuhglocke zur Wiese, ein synthetischer Bläsersatz zur Disco. Man muss nicht alles verstehen.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Christoph Sepin (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und www.fm4.ORF.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2018)

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