Diese Show kennt keine Gnade

Declan MacManus, geboren 1954 in London, nannte sich 1977 Elvis Costello und wurde zum klugen Nerd der New Wave. Sein neues Album (mit den Imposters) heißt „Look Now“.

Elvis Costello
Elvis Costello
Elvis Costello – (c) Beigestellt

Elvis Costello: „Under Lime“. Niemand kann so bitter und scharf zugleich klingen wie Elvis Costello. In seinen Anfängen galt seine Bitternis seiner eigenen Person, später lernte er allmählich, sein tiefes Selbstmitleid auf Mitleid für andere auszudehnen. Hier erinnert er sich an eine Figur, die er 2010 im Song „Jimmie Standing in The Rain“ gezeichnet hat: einen abgestürzten Vaudeville-Entertainer in den 1930er-Jahren. Nun versucht dieser 20 Jahre später ein Comeback, soll in einer TV-Show als „mystery guest“ auftreten, doch blamiert sich nur, wird auch vom wohlmeinenden Showgirl verlacht. „The clock on the wall tick-tocked the time away, when the band starts to play“, singt Costello, und die fröhliche Blasmusik der Band klingt wie böser Hohn, als paraphrasierte sie die wiederkehrende Zeile: „It's a long way down from the high horse you're on.“ So wird das „limelight“, das Rampenlicht, zum Kalk, unter dem Hoffnungen ersticken. Böser Song.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Christoph Sepin (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und fm4.ORF.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2018)

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